Samstag, der 22. September 2018
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Liebe Landsleute,

die Gedenkfeier am 22. Juli 2018 in unserer Heimatgemeinde Sanktmartin war eine Veranstaltung wie sie so bestimmt seit nach dem zweiten Weltkrieg noch nie gefeiert wurde. Vier Fahnenabordnungen mit der Sanktmartiner Vereinsfahne aus den 30ger Jahren, über 20 Trachtenpaare und eine Blasmusik wie sie in Sanktmartin noch nie aufgetreten ist. Der Höhepunkt des Festes war die Enthüllung und feierliche Einweihung des Gedenksteines, die Kranzniederlegung mit dem Lied „Ich hatte einen Kameraden“, der Banater, Deutschen und Rumänischen Hymne. Dieser feierliche Moment hat Geschichte geschrieben. Auch die Rede des Bürgermeisters Ciprian Otlacan und des ehemaligen Lehrers Feher waren Bekenntnisse zu unseren Ahnen, zu unserem Deutschtum und unserer deutschen Geschichte. Kein Vorgänger aus Matscha hat je so einen Schritt uns gegenüber getan und nicht umsonst haben ich spontan gesagt: „Hätten wir diese Worte vor 35 Jahren so gehört, wehren viele von uns nicht ausgewandert“. Es war ein Bekenntnis unserer Geschichte von Seiten der Rumäner und deren Politik uns gegenüber, ein Bekenntnis zu unseren Vorfahren und all jenen die einst dort gelebt haben. Der Gedenkstein als offenes Buch in schwarzen Granit passt und fügt sich harmonisch vor dem Kreuz und auf dem Platz der Kirche ein. Es wird auch in hundert Jahren, dass hoffen wir, allen die vorbeigehen erinnern wer hier den Ort gegründet und einst hier gelebt haben. Das Neue Friedhofskreuz aus Eichenholz wird so lange wie das Monument nicht bestehen, aber mit seiner Errichtung und Einweihung durch den katholischen und orthodoxen Geistlichen wird es ein Mittelpunkt beider Konfessionen werden. Ich danke allen die uns unterstüzt haben, finanziell und moralisch, so wie ihre Hilfe angeboten haben zum Gelingen dieses Gedenktages. Danke an alle die verstehen, dass man nur gemeinsam und nicht dagegen, nur durch Zusammenhalt und nicht durch gegen, wird so eine Feierlichkeit erreicht. Wir sind stark genug um auch in Zukunft alles für Samatin und die Samatimer zu tun.

Bernhard Fackelmann
Vorsitzender der Samatimer HOG

Anbei ein unabhängiger Bericht von Luise Frank und viele Bilder von unserem Fest

Eine bleibende Erinnerung

Die Geschichte der Banater Schwaben fortschreiben, so lautete das Motto des diesjährigen Heimattages. Mit der feierlichen Enthüllung eines Denkmals und eines neuen Kreuzes auf dem Friedhof hat die HOG Sankt Martin genau dies getan. Einmal mehr betätigte sich eine HOG damit aktiv als Brückenbauer zwischen der alten und der neuen Heimat. Es war ein Ereignis, wie es die kleine Gemeinde an der ungarischen Grenze schon lange nicht mehr erlebt hatte: Ein langer Zug durchs Dorf, mit Trachtenpaaren und Blasmusik, ein feierlicher Gottesdienst. Diesen festlichen Rahmen hatte die HOG Sankt Martin unter ihrem Vorsitzenden Bernhard Fackelmann auf die Beine gestellt. Dank viel persönlichem Engagement und zahlreicher Spenden konnte die Vision Wirklichkeit werden, dass die Geschichte der Deutschen in Sanktmartin auch vor Ort in Erinnerung bleiben wird. Dafür sorgt nun ein Gedenkstein aus schwarzem Marmor in Form eines aufgeschlagenen Buches. Auf Deutsch und Rumänisch wird von der Ansiedlung der Deutschen unter Baron von Harruckern und dem Bau der Kirche berichtet. Das morsch gewordene große Holzkreuz auf dem Friedhof wurde durch ein neues ersetzt. Offiziell eingeläutet worden waren die Feierlichkeiten schon am Vortag mit einem Empfang im Rathaus der Nachbargemeinde Matsch (zu der Sankt Martin eingemeindet wurde). Bürgermeister Ciprian Otlacan hatte den Vorstand der HOG eingeladen; auch der Gemeinderat war anwesend. Nach Grußworten des Bürgermeisters und des HOG-Vorsitzenden unterzeichneten beide Seiten eine Urkunde (Certificat de Intenţie), mit dem sie sich zu freundschaftlichen Beziehungen zwischen der Gemeinde und der HOG verpflichten. Mit einem geselligen Beisammensein bei Bier und Schnaps klang der Empfang aus. Viele ausgewanderte „Samatimer“, wie sie sich in der fränkischen Mundart des Ortes selbst nennen, wollten dann am Sonntag bei diesem ganz besonderen Tag dabei sein. Doch auch zahlreiche Gäste waren gekommen, so Dr. Johann Fernbach, der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat, Laszlo Pluhar, der Bürgermeister der ungarischen Nachbargemeinde Elek, Siegfried Thiel, Redakteur der Banater Zeitung aus Temeswar, Adi Ardelean vom Deutschem Fernsehen Temswar sowie mehre Persönlichkeiten aus der Gemeinde Matsch, allen voran Bürgermeister Toluca. Unter den Klängen der Banater Blasmusik aus Temeswar, begleitet von mehreren Trachtenpaaren in Sanktmartiner Tracht und Trachtenpaaren der Warijascher Spatzen sowie von einer Fahnenabordnung, bewegte sich der Festzug zur Kirche. Die Familien Söllner und Gitzing hatten dafür gesorgt, dass alle Altäre prachtvoll geschmückt und die Kirchenbänke mit frischem Grün verziert waren. Die Messe in der schönen Kirche wurde zelebriert vom Sanktmartiner Heimatpfarrer Adam Possmayer und von Johann Dirschl, dem Generalvikar der Diözese Temeswar. Possmayer erinnerte an den Heiligen Martin, der nicht nur dem Ort seinen Namen gab, sondern dem auch die Kirche geweiht ist. Er stehe für ein Europa, „dessen Herzstück das friedliche Miteinander ist“. Vor der Kirche erzählte der HOG-Vorsitzende Bernhard Fackelmann den zahlreichen rumänischen Gästen von der deutschen Geschichte Sanktmartins. Die Siedler hier wurden vom Grundherrn in einer privaten Aktion im nördlichen Franken angeworben und hier sowie im benachbarten Elek auf ungarischer Seite angesiedelt. Noch vor 40 Jahren, in einem kommunistischen Rumänien, wäre die Einweihung eines solchen Denkmals unmöglich gewesen, betonte Fackelmann. Er lobte ausdrücklich die Minderheitenpolitik des heutigen rumänischen Staates und versicherte: „Wir wollen gute Beziehungen zu unseren Heimatortsgemeinschaften pflegen.“ Vor diesem Hintergrund sei es sehr erfreulich, dass die HOG für die Errichtung des Denkmals und die Vorbereitung der Feier die volle Unterstützung der Gemeinde Matscha gehabt hätte. Mit einer Ehrennadel zeichnete Bernhard Fackelmann Josef Burger und Erica Mercea aus, zwei in Sanktmartin verbliebene Deutsche, die mit ihrem Engagement unschätzbare Dienste für die HOG leisteten. Der Gedenkstein wurde anschließend von Pfarrer Possmayer und dem orthodoxen Pfarrer Cristian Pruna gesegnet. Das Denkmal ist aus schwarzem Granit und hat die Form eines aufgeschlagenen Buches. Die Gemeinde Matscha und die HOG legten jeweils einen Kranz nieder. Das Blumengesteck der HOG zierten die fränkische und die Banater Flagge. Bürgermeister Ciprian Otlacan freute sich sehr über diesen „Willkommenstag“, der ein Beweis der gemeinsamen Werte der Vorfahren sei, die miteinander in Sanktmartin gelebt hätten. Der Exodus der Deutschen nach 1989 habe, so der Bürgermeister, eine große Lücke hinterlassen. Die Gemeinschaft der Sanktmartiner sei bekannt gewesen als ehrliche, fleißige Leute und gute Handwerker, die maßgeblich zum Aufbau des Ortes beigetragen hätten. Der Gedenkstein sei „ein Beweis für Ihr Dasein an diesem Ort und hält diese in Erinnerung, egal wo Sie heute auch leben mögen.“ Der pensionierte Schullehrer Carol Feher fand ganz besonders warmherzige Worte, als er an die Deutschen in Sanktmartin erinnerte, unter anderem an die deutschen Lehrer. Er habe viele Sanktmartiner gekannt und geschätzt. „Menschlichkeit und Liebe verbinden die Menschen“, betonte Feher, „nicht der Hass“. Er freute sich, dass das Heimweh viele ausgewanderte Sanktmartiner an diesem Tag wieder in ihrer alten Heimat zusammengeführt habe. Nicht zuletzt sollte dieser besondere Tag eine Brücke schlagen zu den heutigen Bewohnern des Dorfes, denn die neuen Bewohner Sanktmartins wissen oft kaum etwas über die deutsche Geschichte ihres Wohnortes. Dementsprechend waren alle Redebeiträge von deutscher Seite an diesem Tag zweisprachig. Von der Kirche bewegte sich ein langer Festzug mit rund 450 Teilnehmern zum außerhalb gelegenen Friedhof. Viele Einwohner Sanktmartins wohnten der Gedenkfeier bei. Das neue, große Holzkreuz, das in Rumänien hergestellt wurde, steht – wie schon sein morsch gewordener Vorgänger – an derStelle, an der der erste Deutsche in Sanktmartin bestattet wurde. Auch das Kreuz erhielt den katholischen und den orthodoxen Segen. Es wurde ein Kranz der Gemeinde Matscha niedergelegt.
Nach dem offiziellen Teil wurde im Kulturhaus in Matscha gefeiert. Die Gäste tanzten zu den aus der alten Heimat wohlbekannten Klängen der Banater Blasmusik. Ein schönes Miteinander von deutscher und rumänischer Kultur zeigten die Warjascher Spatzen mit ihren Polkas und eine Jugendgruppe aus Matscha, die traditionelle rumänische Tänze und Lieder auf die Bühne brachte. Beide Vorführungen waren auf sehr hohem, fast schon professionellem Niveau und ernteten begeisterten Applaus.
Für ihre Hilfe und viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit zum Wohle der Samatimer HOG erhielten Bürgermeister Otlacan sowie Adrian Tuitea aus den Händen von Bernhard Fackelmann eine Urkunde und eine Ehrennadel der HOG. Der Bürgermeister überreichte Bernhard Fackelmann ein Bild des Kastells in Matscha und eine Flasche Ţuică und bedankte sich nochmals bei allen Anwesenden.
Nach den leckeren Grillspezialitäten am Mittag durften die Gäste abends noch einmal schlemmen: Es gab Schafskäse, Bratwürste, Paradeis und Paprika, gesponsert von Bernhard Fackelmann und Johann Hubert. So klang an diesem lauen Sommerabend ein ganz besonderer Tag aus, der den „Samatimern“ sicher noch sehr lange im Gedächtnis bleiben wird.


von Luise Frank.

 

Altar Blumenschmuck gestaltet von Eva Wagner

Samstag 21. Juli Nachmittag : Empfang im Rathaus

Ehrungen : Erika Mercea und Josef Burger

Schlussrede; Ortodox Pfarrer Cristian Pruna

Auszug aus der Kirche

Rede, Enthüllung und Einweihe des Gedenksteines

Trachtenumzug zum Friedhof

Feier im Kulturhaus in Matscha

Ehrung; Bürgermeister Ciprian Otlacan und Adrian Tutea

Auftritt der Banater Gruppe „Wariascher Spatzen“ Unter der Leitung von Hansi Müller

Zum Schluss des Festes haben J. Hubert und B. Fackelmann alle zum Schafskäse mit ,Paradeis und Paprika vor dem Kulturhaus eingeladen.

 

Fotos: Weber, Jean Pecican, Dieter Gitzing, u.v.a.

 

 

Ein Stein vor der Kirche

Franz Stark

Aus Granit ist dieser Stein,

wird hier vor der Kirche stehen.

Er soll uns zum Gedenken sein,

damit ihn alle sehen.

Ein Stein kann ja nicht sprechen,

jedoch sagt dieser viel.

Auch wenn unser aller Augen brechen,

erfüllt er noch immer sein Ziel.

Dieser Stein der ist so hart,

jedoch man kann’s nicht sehen.

Blumen mögen hier immer blühen,

auch wenn wir mal weit weg gehen.

Dieser Ort war immer schön,

wo die Glocken schön geklungen.

In die Kirche rein zu geh’n,

 und der Chor hat schön gesungen.

Singen kann dieser Stein ja nicht,

jedoch kann er so viel vereinen.

Bei so manchem das Herz jetzt bricht

und im Inneren muss weinen.

Erinnern wird uns dieser Stein,

an die Zeit die wir alle hier gestrebt.

In Vergessenheit soll niemand sein,

auch jener nicht, der nicht mehr lebt.

Eine schöne Feier geht zu Ende.


Treffen wir uns wieder am „Samatimer Owad“ am 6.Oktober
2018 in Augsburg/Gablingen