Dienstag, der 22. Januar 2019
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Gerolzhöfer besuchen Sanktmartin

Zwischen dem unterfränkischen Städtchen Gerolzhofen, der ungarischen Kleinstadt Elek bzw. den Nachkommen der aus Elek nach dem Zweiten Weltkrieg vertriebenen Deutschen sowie den in Deutschland lebenden ehemaligen Bewohnern der zu Rumänien gehörenden Gemeinde Sanktmartin im Kreis Arad gibt es heute vielfältige, historisch bedingte Verbindungen, die bis ins Jahr 1724 zurückreichen. Dann nämlich brachte Johann Georg von Harruckern, der für seine Verdienste als Generalproviantmeister in den Kriegszügen von Prinz Eugen mit der Grundherrschaft Gyula belohnt worden war, die ersten deutschen Siedler nach Elek und Sanktmartin. Unter den mehrheitlich aus Franken stammenden Auswanderern waren viele aus Gerolzhofen und Umgebung.

Während die Beziehungen zwischen Gerolzhofen und Elek durch die Unterzeichnung eines Freundschaftsvertrags im Jahr 1988 beziehungsweise einer Städtepartnerschaftsvereinbarung zehn Jahre später auch eine offizielle Bestätigung fanden, wurden erste Kontakte zwischen der Stadt Gerolzhofen und der Kulturgemeinschaft „Die Sanktmartiner“ erst vor drei Jahren dank der Bemühungen von Bernhard Fackelmann geknüpft. Seither erfuhren diese Verbindungen eine stetige Verfestigung. So feierten die Sanktmartiner im Mai dieses Jahres den 290. Jahrestag der Gründung ihres Heimatortes mit einem groß angelegten Kirchweihfest in Gerolzhofen. Bei dieser Gelegenheit erkundigten sich Bürgermeister und Stadtrat nach der Möglichkeit eines Besuches in Sanktmartin anlässlich des diesjährigen Weltfreundschaftstreffens der Eleker in ihrem ungarischen Heimatort. Zu diesem Treffen, das vom 1. bis 3. August stattfinden sollte, hatte der Bürgermeister von Elek, László Pluhár, auch eine Abordnung der Patenstadt Gerolzhofen eingeladen.

Schloss Wenkheim

Burg Gyula in der einst Johann Georg von Harruckern residierte.

Schloss Wenkheim in Gyula wird renoviert

Bad Gyula

In der Halasz Carda beim Essen

Es schmeckt

Eleker Melonenverkäufer in Gyula

Die Kulturgemeinschaft „Die Sanktmartiner“ griff diesen Vorschlag auf, und so wurde der 1. August als Besuchstermin in Sanktmartin vereinbart. Mit der 54-köpfigen Gerolzhöfer Delegation, der Erste Bürgermeister Thorsten Wozniak, die stellvertretenden Bürgermeister, Stadträte, Schulleiter, Vereinsvorsitzende angehörten, traf man sich am 31. Juli in Gyula, dem ehemaligen Stammsitz von Baron Johann Georg von Harruckern. Am Morgen des nächsten Tages, bei herrlichem Wetter, begab sich der Bus der Gerolzhöfer in Begleitung der Familien Fackelmann, Lustig und Hubert, die in ihren privaten Pkw vorausfuhren, auf dem Weg zum Grenzübergang Vărşand. Von hier ging es dann über Chişineu-Criş, Schimand, Kurtitsch und Matscha nach Sanktmartin.

Gerolzhöfer am Kirchplatz. Herzlich Willkommen und Prost!

Interview von A. Weisz von Radio Temesvar mit dem Bürgermeister von Gerolzhofen Thorsten Wozniak

…und mit Bernhard Fackelmann

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Im Interview Reporterin A. Weisz mit dem Bürgermeister aus Mamers aus Frankreich

 

Vor der Kirche wurden die Gäste von Brigitte und Waldemar Lustig sowie Monika und Johann Hubert erwartet, die den Weg über Socodor und Otlaka (Grăniceri) gewagt hatten, sowie von Josef Burger und dessen Tochter, die noch vor Ort leben. Nach einem Begrüßungstrunk hieß Bernhard Fackelmann die Gäste aus Gerolzhofen in seinem Heimatort Sanktmartin herzlich willkommen. Anwesend war auch die Rundfunkjournalistin Astrid Weisz von Radio Temeswar, die Interviews führte mit dem Ersten Bürgermeister der Stadt Gerolzhofen und dem Bürgermeister der französischen Stadt Mamers, der Partnerstadt von Gerolzhofen, der ebenfalls an der Reise teilnahm.

In der Kirche erläuterte Fackelmann die Geschichte des Gotteshauses und gab Auskünfte zu den Altären, den Wandmalereien und der Orgel. Die Gäste zeigten sich von der Größe der Kirche wie auch von den schönen Malereien und den herrlichen Glasfenstern am Hauptaltar beeindruckt. Das Interesse des Gerolzhöfer Organisten Karl-Heinz Sauer galt selbstverständlich der Orgel. Josef Burger, Organist in Sanktmartin, begleitete ihn auf die Empore, und am Ende des Besuches ließ er ein imposantes Kirchenlied erklingen.

Auf dem Weg zum Friedhof wurde der allgegenwärtige Verfall des Dorfkerns sichtbar. Das einst blühende deutsche Dorf lebt nur noch in der Erinnerung seiner ehemaligen Bewohner weiter. Und daraus schöpfte auch Bernhard Fackelmann, als er den Besuchern vom Leben und Schaffen der Sanktmartiner erzählte.

Universal „Geschäft“ und Tanzsaal

Die „Neue“ Schule ist nur von außen fertig, bezugsfähig ist sie auch in diesem Jahr 2014 noch nicht.

Monika und Hans im Gespräch mit dem „Gerold“ von Gerolzhofen

Am Artesischen Brunnen vorbei

Beim Elternhaus von B. Fackelmann

Am zerfallenen Haus von Martin Stöckl (Schwarzstekla)

Monika Hubert geb. Stöckl vor ihrem Elternhaus

Das Elternhaus von Brigitte Lustig geb. Messer

Vor dem Friedhofseingang

Nicht nur die Größe und Gepflegtheit des Friedhofs hinterließ bei den Gerolzhöfern Eindruck, sondern vor allem die deutschen Namen auf den Grabsteinen, wovon viele auch in Gerolzhofen vorkommen.

„Sag mir wo die Blumen sind“- Betonierte Gräber vielen den Besucher besonders auf.

Zurück zum Bus

Nach zwei Stunden war der Besuch in Sanktmartin beendet, danach fuhren die Gäste zum Mittagessen nach Kurtitsch. Man kehrte in die Gaststätte ein, die im ehemaligen Kartoffelkeller der LPG eingerichtet wurde. Die Gerolzhöfer hatten sich rumänische Spezialitäten gewünscht und waren von den schmackhaften Speisen – serviert wurden „Ciorbǎ de perişoare“, „Sarmale cu mǎmǎliguţǎ“ sowie Käse- und Apfelkuchen – sehr angetan. Auch das Temeswarer Bier und der Wein aus der Region mundeten hervorragend.

Die Ciorba de Perisoare wird serviert

Gute Freunde

  

Nach dem Essen bedankten sich der Erste Bürgermeister der Stadt Gerolzhofen, Thorsten Wozniak, sowie Siegfried Brendel und Günter Engert vom Partnerschaftskomitee Elek-Gerolzhofen bei den Sanktmartinern. Als Dank für ihre Bemühungen um die Organisation dieses Besuches überreichten sie Bernhard Fackelmann ein Ölgemälde der Kirche von Gerolzhofen sowie je ein Geschenk den Familien Lustig und Hubert. „Wir sind Freunde geworden“, sagte der Bürgermeister zum Schluss und äußerte den Wunsch, die Beziehungen auch weiterhin zu pflegen und auszubauen. Dann verabschiedete man sich, und die Gerolzhöfer fuhren nach Elek, wo sie von den Offiziellen an der Stadtgrenze erwartet wurden und dann feierlich auf Pferdewagen in die Gemeinde Einzug hielten.

Mit diesem Bus der Firma Kleinhenz in dem auch wir Sanktmartiner in Gerolzhofen herumfuhren besuchten uns die Gerolzhöfer

Am 2. August folgten die Sanktmartiner der Einladung zum Freundschaftstreffen nach Elek. Sie nahmen diesmal den Grenzübergang Otlaka, der an diesem Tag eröffnet wurde. Die Route über die erweiterte Asphaltstraße von Sanktmartin nach Otlaka macht es möglich, Elek in einer Viertelstunde zu erreichen. Der neue Grenzübergang ist aber nur an Wochenenden und Feiertagen geöffnet. Das Fest begann mit einer in deutscher Sprache zelebrierten Messe in der katholischen Kirche von Elek. Neben Gerolzhöfer Trachten waren auch Eleker Trachten aus Laudenbach anwesend.

Hl.Messe in Elek

Die Fahne der Kulturgemeinschaft der Eleker aus Laudenbach wird geweiht.

Die Eleker Orgel

Die Eleker Trachtengruppe, die auch bei unserer 290 Jahr Feier dabei war, mit Bürgermeister Pluhar, rechts.

Nach dem Gottesdienst fand eine Feier am Denkmal zur Erinnerung an die Vertreibung der Deutschen aus Elek statt, das gegenüber der Kirche steht. Hier sprachen die Bürgermeister László Pluhár (Elek), Thorsten Wozniak (Gerolzhofen), Petru Claudiu Bǎtrânuţ (Otlaka) und Delegation aus Sanktanna sowie Joschi Ament vom Kulturkreis der Eleker in Deutschland und Siegfried Brendel vom Partnerschaftskomitee Elek-Gerolzhofen.

Vor dem Vertriebenendenkmal in Elek

Die Hymnen von Deutschland, Ungarn, Frankreich, Rumänien und der EU wurden gespielt.

„Eleker“ in Tracht

Mit Bürgermeister L. Pluhar und Joschi Ament

Die Gerolzhöfer Trachtengruppe

Eleker Wegweiser

Anschließend besuchten die Sanktmartiner noch den Friedhof in Elek. Auch hier künden die Namen auf den Grabsteinen von den Gemeinsamkeiten zwischen Elek und Sanktmartin. Darauf gilt es in Zukunft ebenso zu bauen wie auf die inzwischen engen Beziehungen zur Stadt Gerolzhofen.

Eleker Friedhofsdenkmal der Verstorbenen im I und II Weltkrieg

Eleker Friedhof

Zum Schluss noch ein wichtiger Hinweis: Die Kulturgemeinschaft „Die Sanktmartiner“ organisiert nächstes Jahr vom 11. bis 16. August eine Wallfahrt nach Lourdes. Die Reise erfolgt mit dem Bus, die Kosten belaufen sich auf etwa 400 Euro und beinhalten die Busfahrt, Übernachtungen und Vollpension. Pfarrer Peter Zillich wird die Pilgergruppe begleiten. Interessenten können demnächst Einzelheiten zu dieser Wallfahrt auf der Homepage www.diesamatimer.de oder bei Bernhard Fackelmann (Tel. 089 / 8631127, Mobil 0151 / 23010279) erfahren.

Kulturgemeinschaft „Die Sanktmartiner“