Sonntag, der 17. Dezember 2017
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SANKTMARTIN

im Arader Komitat

 

 1724 – 1992

 

 

 

SANKTMARTIN VOR DER ANSIEDLUNG

Die Ansiedlungsgeschichte der Donauschwaben begann mit den Jahren 1689 und dauerte bis etwa 1787. Als sich nach der Niederlage des türkischen Heeres in der Schlacht am  Kahlenberg 1683 eine Wende anbahnte, die zur Befreiung des Donauraumes von der türkischen Herrschaft führen sollte, kann dies als die Geburtsstunde der Donauschwabenbezeichnet werden. Im 18. Jahrhundert kamen  etwa 200.000 Einwanderer aus verschiedenen deutschen und österreichischen Territorien in die Siedlungsgebiete Ungarns. Die Einwanderung erfolgte in den drei bekannten Schwabenzügen unter der direkten  kaiserlichen Verwaltung im Banat durch zwei hochgestellte Persönlichkeiten der damaligen Zeit : Hofkriegsratspräsident Eugen von Savoyen und Claudius Florimund Graf von Mercy ,dem Gouverneur des kaiserlichen Kronlandes Banat. Die Ansiedlung von Sanktmartin, die in die Regierungszeit Kaiser Karl VI. fällt, hatte ganz andere Voraussetzungen und ist mit dem Namen Harruckern eng verbunden. Schon aus frühesten Quellen geht hervor, dass Sanktmartin unter dem Namen Szent Marton puszta besiedelt war. Nur der Name blieb der Nachkommenschaft in Erinnerung, denn mit dem Fall der Festung Gyula im Jahre 1566 wurde wahrscheinlich auch SzentMarton dem Boden gleichgemacht. Durch die schweren Kämpfe und die vorhergehende türkische Herrschaft sind die südlichen Landesteile von Gyula verwildert, verödet und fast menschenleer geworden. Im Jahre 1720 wurde Johann Georg Harruckern der neue Grundherr der ganzen Gegend. Sein Vater Georg war Webermeister und mit Elisabeth Schläger verheiratet. Johann Georg Harruckern wurde als sechstes Kind von sieben 1664 in Schenkenfelden bei Linz in Oberösterreich geboren.

 

     Johann Georg Harruckern                 Geburtshaus von Johann Georg Harruckern

Im Jahre 1697 beschloss die Wiener Hofkammer den Bau der Arader Festung und ernannte Johann Georg Harruckern für vier Jahre zum Kammerkomissär, ein Amt, das 1718 zur Ernennung zum Versorgungsoberstatthalter führen sollte. In der gleichen Zeit wurde er zum Ritter des Deutsch-Römischen Reiches ernannt. Im Jahre 1719 stand die Entlohnung Harruckers fest, jedoch nicht die Art der Entlohnung. Harruckern wollte von seinem Kaiser kein Geld, sondern Grundbesitz in den neuen Gebieten. Der Kaiser ließ durch die Hofkammer die Höhe des Geldwertes für die Verdienste seines treuen Beamten feststellen, die mit 24.000 Floriner beziffert wurden. Durch Hinzunahme weiterer Güter erhöhte sich der Gesamtwert der Harruckerischen Güter um weitere 13.000 Floriner. Die in diesem zur Verfügung gestellten Gebiete lebende Bevölkerung litt große Not und war bettelarm. Die meisten Bewohner waren geflohen, nicht sesshafte Leibeigene, die, wenn sie von ihrer vorherigen Herrschaft aufgefunden und zurückgefordert wurden, wieder flohen und in einem anderen Gebiet zeitweilig Aufenthalt fanden. Es gab in diesem Gebiet zu dieser Zeit weder Handel noch Gewerbe. Dieses Bild eines verwilderten, versumpften und kaum bewohnten Gebietes bot sich unseren Vorfahren, als ihnen Johann Georg Harruckern das Gebiet um Szentmarton zuwies.

 Wie auf diesem Bild sah Sanktmartin vor der Ansiedlung aus 1723 erhielt J. G. Harruckern die ungarische Staatsbürgerschaft, als der ungarische Landtag in Pressburg den Impopulationsartikel 103 verabschiedete, der besagte: Seine Hoch Geheiligte Majestät wird gütig erlauben, dass freie Personen jeder Art ins Land gerufen werden, die von jeder öffentlicher Steuer für sechs Jahre zu befreien sind und dass diese Freiheit im ganzen Land verkündet werden kann''. Laut J. Karacsoni führte Harruckern bereits im Jahre 1723 in Wien Verhandlungen mit siedlungsfreudigen Menschen aus Franken und Schwaben, die ersten Deutschen aus dem Reich siedelte er in der Stadt Gyula an. Schon im Spätsommer 1723 sandte Harruckern die ersten Siedler nach Gyula, wo sie mit der Errichtung des deutschen Stadtviertels begannen. Es ist zu vermuten, dass mit diesen auch einige Siedler nach Elek und Sanktmartin kamen, wo sie mit der Errichtung von ersten Behausungen begannen. Die deutschen Siedler erbaten sich vorsichtshalber einen Freibrief, in dem ihnen eine Rückkehr zugesichert wurde. Im November desselben Jahres kam der Grundherr selbst nach Gyula und stellte den Siedlern den Freibrief aus. In diesem Freibrief versprach er ihnen leihweise einen Vorschuss, falls ihr mitgebrachtes Brotgetreide bis zur nächsten Ernte nicht ausreichen sollte.

 Burg Gyula in der J. G. Harruckern residierte.                              Das Schloss der Enkel die Grafen Wenkheim 

  Im Frühjahr 1724 erreichte die größte Siedlergruppe Gyula, Elek und Sanktmartin. Sie kam aus Franken Oberpfalz der Rheinpfalz und aus dem Schwarzwald. Der Kern der Siedler stammte aus dem ostfränkischen Gebiet, aus den Bezirken Würzburg, Schweinfurt, Hassfurt, Bamberg, Gerolzhofen, einige Familien kamen aus dem Hohenlohische in Nordwürttemberg aus den Ortschaften Bad Mergentheim, Ailringen, Mulfingen, Rengershausen sowie aus der Umgebung von Trier, aus der Rheinpfalz und aus dem Saarland.  Die Stelle, wo Sanktmartin entstehen sollte, bot ein trostloses Bild. Das Gebiet war völlig verödet, versumpft und daher ungesund. Die Erdgruben, heute Wasserlöcher am Dorfrand, bezeugen noch heute, woher die Siedler die Erde zum Auffüllen der sumpfigen Hofstellenherbeigeholt hatten. Das Trinkwasser war nicht sauber, es war ungesund und somit die Ursache von Cholera, die neben der durch Flöhe der Ratten verbreitete Pest, die Bevölkerung dezimierte.(Cholera-Epidemien von 1838 und 1873). Überlebenschancen hatten nur jene Siedler, die kein Wasser tranken. Dies war mit ein Grund für das Bepflanzen der ersten Weingärten im Banat. Einheit geboten wurde der Cholera erst ab 1910 als die ersten Tiefbrunnen ,,artesische Brunnen'' gegraben wurden, die die Bevölkerung mit gutem, sauberen und hygienisch einwandfreiem Wasser versorgen konnte.Aus den Wiener Kriegsarchiv HKR PROTOKOLL 563fol.No.151.Hofkammerrat J.G. Harruckern an die Hofkammer ist zu lesen (Originalwortlaut): Hof-Kammer-Rat Harruckern langt an um zwei oder drei Hof-Kriegs-Räte-Pässe für die aus dem Römischen Reich auf seine Herrschaft in Gyula im Bekehrer Comitat kommende, Teutschen Familien.Wien, Januar 1724.                             

 SANKTMARTIN UND DIE FAMILIE VON HARRUCKERN

Johann Georg Harruckern (1664 -1742) wurde in Oberösterreich als Sohn eines einfachen Webermeisters in dem Städtchen Schenkenfeld geboren. Seine Bedeutung für das Kaiserhaus, in dessen Diensten er jahrzehntelang stehen sollte, wird auch durch die Tatsache bestätigt, dass er in der Krypta des Wiener Stephansdomes seine letzte Ruhestätte fand.

Schenkenfelden der Geburtsort von J.G. Harruckern  

Im Jahre 1698 erhielt er eine Stelle als Buchhalter beim Niederösterreichischen Rechnungshof der Hofkammer. Drei Jahre später wurde er Versorgungsobmann des österreichischen Heeres und im Jahre 1697 kam er als Beauftragter der Hofkammer nach Arad. Hier überwachte er vier Jahre lang den Bau der Festung, wobei er vorwiegend für finanzielle Belange zuständig war. Aus diesen Gründen bereiste er auch die Imitate Downgrade, Besek, und Arad sowie auch die Gegend um das spätere Sanktmartin, wobei er sich über die weiten, verödeten und brach liegenden Güter ein Bild machen konnte.1701wurde er zum Oberstleutnant befördert und nach Italien gesandt. 1708 war er in den Niederlanden, wo er fünf Jahre lang die Versorgung des Heeres leitete. 1710 wurde Harruckern zum Hofkammerrat ernannt. 1716 wurde das Heer von Grund auf neu organisiert  und Harruckern leitete die Versorgung des Heeres während der entscheidenden Kämpfe gegen die Türken persönlich über drei Jahre lang. Noch im Kriegsjahr 1718 verlieh ihm König Karl III. (1711-1740) den Titel Reichsritter. Unter Berufung auf seine geleisteten treuen Dienste für die Krone erbat er sich als Belohnung entweder die in Heviz bei Buda erbaute Mühle samt Weingärten oder ersatzweise die Güter mit den Ortschaften Gyula, Bekescsaba, Dobos, Gerla, Bekes, Ladany, Gyrmat, Veszrö und Öcsöd. Das Hofkanzleiamt hatte die Summe der Besoldung mit 24.000 Floriner veranschlagt und fragte bei der ungarischen Kammer nach, ob um diese Summe die Mühleund die Weingärten an Harrucker zu verleihen seien. Die ungarische Kammer befürwortetedie Vergabe der Mühle nicht, schlug aber vor, die erwähnten Güter im Comitat Bekes an Harruckern zu verleihen, falls dieser den Wertunterschied in bar an die Kammer bezahlen würde. Diesem Vorschlag stimmte auch die Wiener Hofkanzlei zu, und König Karl III. Erließam 07. Oktober 1719 die Genehmigung, die erwähnten samt Ortschaften zu schätzen. Der Arader Hofrichter beendete die Schätzung am 01. Dezember 1719, die er aber neben den erwähnten neun noch zwei weitere Ortschaften, Szeghalom und Gyoma, einbezogen hatte. Diese elf Güter wurden mit 33.196 Floriner bewertet. Nach Abzug der Besoldung von 6.600 Floriner verblieben 26.530 Floriner als Wert der 11 Güter und Ortschaften. Die Schatzkammer gab eine neue Schätzung in Auftrag, diese wurde vom Schatzmeister von Szeget, Johann Adam Than, durchgeführt, der im Wesentlichen die erste Schätzung am 3.Oktober 1720 bestätigte und erklärte,,.....der größte Teil der Fronbauern Ausreißer seien, die von ihren Grundherren - wenn sie aufgespürt werden - zurückgefordert werden...und sie fliehen oft sogar erneut von hier''. Die Hofkammer war mit diesem Bericht zufrieden und Than übergab Harruckern am 25. Oktober 1720 persönlich die Gyulaer Grundherrschaft. Harruckern ergänzte die Gyulaer Grundherrschaft, die zum Komitat Bekes gehörte, mit den in Komitat Zarand und Arad liegenden Ortschaften Szekudvar, mit den Pecser Meierhöfen sowie Geyers Szent-Kiraly und mit der noch verödeten Puszta Szt. Marton, Tamasz, Elek und Pel. Am 28.März 1722 wurde Harruckern als ungarischer Bürger ,,eingebürgert'' und am 03. Mai 1723 verlieh ihm König Karl III. auf Grund des ungarischen Adelsrechtes die Gyulaer Grundherrschaft, deren Registrierung am 10 August erfolgte. Im Jahre 1729 erhielt Harruckern das Adelsprädikat Baron. Nach einer Schenkung durch König Karl III. besaß Baron von Harruckern 95 Ortschaften in den Komitaten Bekes, Zarand und Arad. Nach dem Tode des Obergespans Johann Jakob Löwenburg wurde Baron Johann Georg von Harruckern sein Nachfolger, das heißt Obergespan des Komitates Bekes, ein Amt, das er bis zu seinem Tod im Jahre 1742 innehatte.

 

 Das Denkmal von J.G.Haruckern in Schenkenfelden

 Baron von Harruckern war mit Maria Fellner verheiratet, der Ehe entstammten vier Töchter und ein Sohn, Baron Franz von Harruckern, der nach dem Tod des Vaters die Güter und das Amt des Obergespans erbte bzw. übernahm. Die zweite Besiedlung von Sanktmartin 1744 nach der Cholera-Epidemie wurde von Baron Franz von Harruckern (1696-1755) durchgeführt. Baron Franz von Harruckern hatte seinen Wohnsitz in Wien, im Sommer lebte er jedoch mit seiner Familie in Gyula. Er war zweimal verheiratet, seine erste Frau war Anna Mannsfeld,die zweite Maria Antonia Dierling. Der Baron verstarb 1775 im Alter von 79 Jahren. Seine Ehefrau Antonia ließ in der Stadtpfarrkirche von Gyula für ihren verstorbenen Ehemann ein Denkmal errichten, obwohl der Baron hier nicht bestattet wurde. Baron Franz von Harruckern hatte keinen männlichen Erben, jedoch zwei Töchter: Maria, Ehefrau von Graf Josef Stockhammer und Josefa, die Ehefrau von Graf Anton von Karolyi. Nach dem Tod des Barons Franz von Harruckern wurde die weitläufigen Güter unter den weiblichen Nachkommen in fünf Teilen geteilt; diese Aufteilung zog sich Jahre hin, als die Erben vor Kaiserin Maria Theresia erschienen und in der Erbangelegenheit eine Regelung beantragten, die da hieß: Auszahlung von jährlich 25.000 Floriner an die Witwe des Barons, an Baronin Antonia von Harruckern geb. Dierling mit der Verpflichtung, die Zusammenschreibung der Liegenschaften innerhalb einer Frist von drei Jahren zu beenden. Diese Erbangelegenheit zog sich über drei Jahre hin, so dass die Gyulaer Kastelle Jahre hindurch unbewohnt waren. Bis zum Jahre 1791 war Graf Karolyi der Vormund der Erbgemeinschaft und nach seinem Tode bis zum Jahre 1798 seine Witwe Josefa, geb. Harruckern. Die Vermessungskarte der Liegenschaften wurde von Andreas Paulovics in den Jahren1788-1789 erstellt, zur Teilung kam es jedoch erst am 24. Februar 1789. Die Liegenschaften in Gyula sowie die Ortschaften Szekudvar, Elek, Sanktmartin, Arad und die Puszta von Kigyos (13.758 Joch!) fielen an Theresia Gruber, die Enkelin von Johann Georg von Harruckern und Ehefrau von Graf Josef Wenckheim. Nach deren Tod am 21. Mai 1801 gingen die Liegenschaften an ihre Kinder, an die Grafen Wenckheim.

 

SANKTMARTIN, DIE ANSIEDLUNG

 Die Ansiedlung von Sanktmartin hatte, im Gegensatz zu den Kolonisationen des Banats privaten Charakter. Der Staat hat erst in späteren Jahren, vor allem unter Kaiserin Maria Theresia (1740-1780) mit der planmäßigen Ansiedlung von Ortschaften begonnen.

 

 Die Kath. Kirche in Gerolzhofen

 Am 20. Mai 1724  versammelten sich unsere Ahnen vor dem Kirchplatz der Gemeinde Gerolzhofen wo man nach einer gemeinsamen Hl. Messe sich mit Pferdewagen auf dem Weg nach Bamberg machte. Zweihundert Jahre später schrieb man im Sonntagsblatt der Banater Schwaben über unsere Ahnen:

Weit, weit, von hier in Bambergs Dom, wacht immer noch der königliche Reiter, forschend, wägend, hält er Ausschau. Zweihundert Jahre sind es her, seit aus dem Toren seiner Stadt der Ostfrankenschar ins ferne Hungarn zog. Welch seltsames Geschick hat sie auf den Besitz Baron von Harruckern verschlagen, wo auch ein Reitersmann. St.Martin, sie in seiner Obhut nahm und jetzt noch vom Hochaltar hernieder schaut? Und wen das Lied in stillen Nächten weint, hört es der Held zu Bamberg. Doch wenn sein Falkenauge fragend sich ins Dunkel bohrt und jenen Reitersmann St.Martin sucht, kommt ihn die Antwort: ,,Ich wache immer noch, wie Du - im Heiligtum. Noch sind Sie treu, gleich Dir“.

 

 Mit solchen Schiffen genannt „Ulmer Schachteln“ kamen unsere Vorfahren ins Ungarnland

Nach schriftlicher und mündlicher Überlieferung, bestiegen unsere Ahnen mit ihrer Habe Tage später in Regensburg die bereitgestellten Transportkähne. Diese waren roh gezimmert und sind als „Ulmer Schachteln“ bekannt. Die Kosten eines solchen Transportmittels sind Preislisten zu entnehmen: wir wissen, dass ein Transportschiff aus Rheinfelden für 45 Leute im Jahre 1749 für 15 Floriner, 26 Kreuzer zu haben war. Die Fahrt donauabwärts dauerte mit den erforderlichen Unterbrechungen in verschiedenen Ortschaften, nicht zuletzt in Wien, 5 bis 6 Wochen. Ab Dunaföldvár setzte sich die Reise auf mitgebrachten Wagen durch die ungarische Tiefebene Richtung Osten fort. In der Nähe von Szentes, das auch zum Besitz der Harruckern gehörte, setzte man über die Theiß. Der weitere Weg führte über Szentes nach Gyula, über Elek nach St. Martin. Die ersten Siedler kamen 1724 nach Sanktmartin, es folgten weitere Gruppen im Jahre 1725 und 1726.Von Gyula wurden die für Elek und Sanktmartin auserwählten Siedler 12 km südlich nach Elek geleitet. Die Gruppe der Sanktmartiner ging noch 6 km südlich von Elek.Einer zweiten Überlieferung zufolge und nach Georg Mahlers in seiner Arbeit „Kinderlieder, Spiele und Sprüche der Deutschen in Elek“ vertretenen Meinung trafen die Kolonisten per Schiff in Buda (Ofen) ein und setzten die Fahrt nach Gyula in den mitgebrachten Pferdefuhrwerken fort. Auch in der Stadtchronik von Gyula aus dem Jahre 1938 bestätigt der Autor Franz Scherer diese Annahme: „Der Grundherr und seine Familie fuhren über Pest, Kecskemét und Szentes nach Gyula. Bis Pest vierspännig, von dort wegen schlechter Wegstrecke achtspännig“. In einer anderen schriftlichen Quelle meint Pfarrer Ruck, dass die Siedler ab Regensburg per Schiff donauabwärts bis Titel kamen, an die Mündung der Theiß in die Donau. Ab Titel ging die Fahrt stromaufwärts auf der Theiß bis Szentes, wobei die Kähne von Pferdegespannen am Ufer gezogen wurden. Das Leben der ersten Siedlergeneration war keinesfalls leicht, für sie gilt der Satz: den Ersten der Tod, den zweiten die Not und erst die Enkel fanden das Brot.

 

 Wie hier im Ölbild von Stefan Jäger, Siedlerhaus, wohnten um 1724 auch unsere Ahnen.



Aus Lehmziegeln so genannte „Kotschstaner“ wurden bis ins 20.te Jahrhundert die Sanktmartiner Häuser gebaut. Die Kotschtanlöcher um Sanktmartin zeigen heute noch wo einst so gearbeitet wurde. Auch in der Pfarrei von Rengershausen, der Urheimat der Familien Mülleck und Silbereis, ist eine Notiz im Pfarrbuch zu lesen, die das Kolonisten Dasein in Ungarn aus Rückmeldungen sorgenvoll beurteilt. Der Pfarrer, selbst Auswanderer aber auch reuiger Rückkehrer, schildert in bewegten Worten die schlimmen Zustände in Ungarn und meint, dass dort schlechtes Klima, Krankheiten, umherziehende Räuberbanden, Hunger und schlechtes Trinkwasser das Leben der Menschen bedrohen. Diese Notiz endet mit der ernsten und nachdrücklichen Warnung vor der Auswanderung nach Ungarn. Ein Auszug aus dem Würzburger Stadtarchiv beweist, dass die meisten Grundherrn (zum größten Teil Bischöfe) Gegner der Auswanderung ihrer Untertanen nach Ungarn waren und vor diesem folgenschweren Schritt warnten: Aus der Sammlung der hoch fürstlich-würzburgischen Landesverordnung (Würzburg 1776, BD. T.S. 710ff) „Der Hochwürdigste des H.R.R Fürst und Herr, Herr Johann Philipp Franz, Bischof zu Würzburg und Herzog von Franken etc. haben mit besonderem Missfallen verschiedentlich vernommen, dass viele Untertanen außer Lands, insbesondere aber in Ungarn und dabei auch allerlei Unterschleif und Ungebühren mitunterslufen. Diesem aber zu begegnen befehlen Seine Hochfürstliche Gnaden und ernstlich, dass hierfür keinem frey- oder leibeigenen Untertanen mehr von einigen Beamten einseitig erlaubt werde, außer Land zu ziehen, es sei dann vorher gründlich von so adelich- als vorrechnendem, Anwalt- und Regierungskanzlei von beiden der Bescheid, ob den außer Land ziehenden wollenden ein solches zu erlauben sey, erwartet, auf erhaltene und nachdrückliche Warnung gegeben werden solle, dass sie bei künftiger ihrer Zurückkunft sich keines Schutzes mehr sondern dieses gewiss und unfehlbar, dass sie als Vagabundi gehalten, und im Land nicht mehr gelitten würden, zu verstehen hätten, wie dann denselben weder an Nachsteuer, noch Abzug der Ledigzehlungen nicht der geringste Nachlass wiederfahren, im Übrigen auch unverzüglich eine Designation , wie viele Untertanen bereits aus dem Land, und wohin selbiger Zeit Sr. Hochfürstliche Gnadenregierung gezogen, auch, was sie hinausgebracht, eingeschicket werden sollen. Wonach sich sämtliche so adeliche wie verrechnende Beamte zu richten, und stricte darob zu halten erbstlich befehligt werden. Dectrum Wirzburg, den 24 Apriel 1724 Hochfürstl. Wirzburg Kanzley  Nicht Leichtsinn und Abenteuerlust, wie manche behaupten, aber auch nicht Hilflosigkeit und Verzweiflung trieben damals die Leute fort, sondern ein gesunder Selbsterhaltungstrieb und die begründete Aussicht auf die Verbesserung ihrer vielfach bedrängten wirtschaftlichen Lage....weil eben „das Frankenland voller Menschen stecket....“ Voller Liebe und Anhänglichkeit an die alte Heimat verließen sie diese. Viele gingen erst, um das Land zu besehen und holten sich erst später ihre Hinterlassenschaft. Andere wanderten nur bedingt aus, um sich erst später endgültig zu entscheiden. Deshalb verlangten sie vom Grundherrn den Freibrief. In den Ratsbüchern von Gerolzhofen ist manches darüber zu lesen. Im Jahre 1722 also vor Harruckern, war Johann Franz Albrecht Kraus in Franken, um Ansiedler zu werden. In Würzburg überreichte er ein Kaiserliches Handschreiben, demnach „Leute, die ins Banat hineinziehen wollen, welches jetzt mit Leuten notwendig besetzt werden müsse, selbigen nicht allein allen behörigen Willen zu erweisen, sondern auch selbiger aller Beschwernis und Nachsteuer frei passieren lassen.“ Zu seinen ersten Erfolgen zählt die Besiedlung von Elek durch Ansiedler aus Mainfranken aus dem Amt Gerolzhofen. Die Siedler ließen sich von den Werbern verlocken und überreden, denn es wurde ihnen kostenloser Grund und Boden versprochen und so viel als „einer von den vermöglichsten Bauern in Teutschland schwerlich wird zu genießen haben, ja so viel als nur immer einer zu bestreiten sich getraut...“Der verfügbare Boden in Franken war damals äußerst beengt, die bäuerliche Wirtschaft nur 200 Floriner wert. Die ist in den Ratsprotokollen der Stadt Gerolzheim nachzulesen. Auf diese Weise hatten die Werber Erfolg. Aber es waren nicht nur die großzügigen Versprechungen der Werber, sondern auch Klima und ungünstige Witterung taten ein Übriges: im Mai 1723 erfroren nach einem ungewöhnlich strengen Kälteeinbruch alle Weinreben und Getreidesaaten. In Sankt Martin erhielten die Siedler zudem „Das Grundherrliche Freiheitspaket“. Dieser Vertrag (Kontrakt) enthält für die Kolonisten und ihre später zu erwartenden Verwandten und Bekannten folgende Verpflichtung: Der Grundherr sichert auch die Freizügigkeit auch weiterhin zu und unterwirft sie niemals den Lasten ewiger Leibeigenschaft. Gegen 11 Gulden jährlich, die auf einen Fronhof entfielen, werden sie, abgesehen vom Neuntel, von Frondienst und anderen Leibeigendiensten befreit. Die Ansiedler wurden also zu Zinspächtern. Die ersten drei Jahre waren steuerfrei, zudem erhielten sie das zum Errichten der Häuser nötige Bauholz unentgeltlich vom Gutsherrn, der auch das zum Säen notwendige Saatgut stellte.



Unsere Ahnen machten aus einem Sumpfland; durch ackern und schuften fruchtbare Felder


                                                     Daten aus den Sanktmartiner Pfarrbücher

Am 13. Februar 1750, 26 Jahre nach der Ansiedlung, wurde die Filiale Sanktmartin zur selbstständigen Pfarrei erhoben. Von 1724 bis zum 30. April 1734 gehörte Sanktmartin als Filiale zur Stadt Gyula und vom 01. Mai 1734 bis zum 12. Februar 1750 zur Gemeinde Elek. Dadurch ist zu erklären, dass in den Kirchenbüchern von Sanktmartin die Herkunftsorte der Ansiedler nicht angeführt werden. Lediglich in den Sterbematrikeln wurde in der Rubrik Geburt „catolicus germanicus“ eingetragen, was so viel wie „Katholik aus Deutschland“ bedeutete. Da die ersten Pfarrbücher aus Gyula einem Brand zum Opfer fielen, kann man nur aus der Historia Domus von Gyula und Elek feststellen, woher unsere Vorfahren stammen.
GEROLZHOFEN: Urheimat mehreren Familien: Eisenbeil, Geisel, Schmidt, Söllner ,Deutsch, Illich, Münich und Zielbauer.In den Protokollen von Gerolzhofen sind über 60 Personen in den Eintragungen zu finden die nach Ungarn ausgewandert sind; Nach dem nach benannte Bürger den 20. April 1724 angezeigt haben, dass sie von hier ab in das Königreich Ungarn und zwar nach Gyula ziehen und sich all da unterhängig nieder lassen entschlossen und am 22. April 1724 abziehen wollen, gebeten, sind sie ihrer bürgerlichen Pflichten entlassen worden und zwar: Hans Georg Schüssel mit Weib und einer Magd, Lorenz Geisel mit Weib und drei Kindern und eine Magd, Georg Zielbauer mit Weib zwei Kinder und zwei Mägde, Peter Münich mit Weib drei Kinder und zwei Mägde usw..

VOLKACH AM MAIN: Urheimat der Famlie Hack

RIEDENHEIM:
südlich von Ochsenfurt; Urheimat der Familie Pfanzer.

AILRINGEN:
südlich von Bad Mergentheim heute zu Würtenberg; von hier kommen mehrere Familien: Fackelmann, Kraus, Kempf, Ruck, Hoffmann.

AMRICHHAUSEN:
südlich von Ailringen: Urheimat der Familie Schneider.

KRAUTHEIM AN DER JANGST:
Urheimat der Familie Stumpf:

BAD MERGENTHEIM:
Urheimat der Familien: Striffler, Heffner und Silbereis

MULFINGEN
: Urheimat der Familie Hammer.

DONNERSDORF
nördlich von Gerolzhofen: Urheimat der Familie Bauer.

RÜDEN bei WIESENTHEIT: Urheimat der Familie Niedermayer.

WALSDORF südlich von BAMBERG: Urheimat der Familie Bayer.

WIESENTHEIT: Urheimat der Familien Seifert und Haubenreich.

ALITZHEIM nordwestlich von GEROLDSHOFEN: Urheimat der Familie Braun.

HÖRLBACH/STADT SCHWARZACH AM MAIN: Urheimat der Familie Mahler.

BERGRHEINFELD südlich von SCHWEINFURT: Urheimat der Familie Mahler und Baumann.

ZEIL AM MAIN: nordwestlich von BAMBERG:
Urheimat der Familie Karl.

SCHLÜSSELFELD: Urheimat der Familie Engelhardt.

FLEHINGEN bei GRÜNSTADT: Urheimat der Familien Albert.

RENGERSHAUSEN: Urheimat der Familie Mülleck und Silbereis.

KÜHLSHEIM: Urheimat der Familie Haras.

MALSCH bei KARLSRUHE: Urheimat der Familie Kilian.

SPACHBRÜCKEN: Urheimat der Familie Durst.

DETTINGEN: Urheimat der Familie Possmayer. Namen in den Pfarrbücher von Rengershausen die auch in unserer Gemeinde zu finden sind: Mülleck, Durst, Hoffmann, Schneider, Silbereis, Zielbauer, Jäger, Kraus, Albert, Metz, Stumpf, Zimmermann, Hirt. Hier war Pfarrer, Franz Niedermayer aus Elek/Almaskamarasab 01.Oktober 1967. im Taufbuch der Pfarrei findet man folgenden Text: ,,In dieser Zeit sind viele Menschen aus diesem Dorfe nach Ungarn gezogen. Viele aber kamen erbärmlich zurück, lobten das ungarische Gebiet nicht, obzwar die Gegend sehr schön sei. Dies aber geschah in den Jahren 1724-1727. Weiter.....Am 02. März 1734 wurde der ehemalige Jüngling Andres Silbereis, Sohn des Adam Silbereis, Einwohner zur Pfarrei Gyula und der verstorbenen Maria, mit der keuschen und tugendhafter Jungfrau Margaretha Diez getraut. Beistände waren Jakob Mülleck und Sebastian Silbereis ungarische Einwanderer.


               
                      Die Herkunftsgebiete unserer Ahnen in Franken

 Dieses Fachwerkhaus erbaut 1566 stand hier schon vor der Auswanderung unserer Ahnen. Es war der Sitz des „Bote vom Steigerwald“.1904 übernahm der Verleger Franz Teutsch die Zeitung, die schon über 250 Jahre in Gerolzhofen ansässig ist. Heute lebt hier die Familie Teutsch auch Nachfahren derer wie die der Sanktmartiner Deutsch.

Auszüge aus der Pfarrei Mulfingen: Hammer Johann Heinrich, Sohn von Georg und der Katharina Müller, wurde am 27. September 1700 in Mulfingen getauft. Die Kinder sind in Ungarn geboren er heiratet am 17. Januar 1724 und ist am 25. April 1724 nach Hungariam gegangen. Hammer Maria Ursula, Tochter von Johann Georg Hammer und Katharina Müller, wurde in Mulfingen getauft, heiratet am 22. Februar 1724 Josef Striffler aus Ailringen und ging mit ihr nach Ungarn am 25. April 1724.Hammer Anna Margaretha, Tochter von Johann Hammer und Eva Müller getauft am 19. Oktober 1684 in Mulfingen, heiratet am 19. Juli 1707 und ist am 25. April nach Ungarn ausgewandert. Einwanderungen und Zuzüge gab es immer wieder: Karl Andreicovici kam als Notar. Sein Sohn Johann heiratet 1832 Theresia Eisenbeil, sein Bruder Ignaz, Theresia Ossmann. Franz Brückner kommt aus Mehren und heiratet 1857 Veronika Ossmann. Sfefan Faludi geb. 1820 in Szeged kam als Schmied nach Sanktmartin und heiratet 1839 Susanna Rieger. Josef Gabor geb. 1794 in Schimand heiratet in Sanktmartin Margaretha Marschal. Anton Illich geb.1820 in Gyula heiratet 1841 in Sanktmartin Elisabeth Hirt. Martin Kohlmann geb.1823 in Gyula heiratet 1847 in Sanktmartin Theresia Weber. Simon Leib geb.1786 in Schimand heiratet 1807 in Sanktmartin Veronka Freisinger. Johann Steiner geb. 1776 in Schimand heiratet 1801 in Sanktmartin Theresia Hubert. Martin Teubert geb. 1765 in Sanktanna heiratet 1788 in Sanktmartin Eva Brunner. Fast die Hälfte der Einwanderer Namen sind bis um 1850 ausgestorben. Zum Beispiel: Amberger, Bamberger, Frankenstein, Obendorfer, Opel, Werner, Honecker, Rumm, Schröder u.s.w. Die ersten Eintragungen vom 13. Februar 1750 sind in lateinischer Sprache geführt. Es gab oft Schwankungen in der Rechtschreibung des Deutschen Orts und Familiennamen. Auch die lateinischen Taufnamen sind häufig verschrieben. Viele Familiennamen sind durch undeutliche Aussagen der Einwohner entstanden. Sie konnten sicherlich nicht alle lesen und schreiben, sprachen nur im Dialekt, der vom Pfarrer oder Padres, die Ungarn waren, nicht richtig verstanden wurden und dadurch fehlerhaft niedergeschrieben wurden. So wurde mit der Zeit aus Münich-Minich, aus Kämpf-Kempf, aus Söllner-Zöllner. Da einige Pfarrer Ungarn waren, die die deutsche Sprache zwar verstanden und sprachen, neigten jedoch in der schriftlichen Wiedergabe der Namen und Ortsbezeichnung zur ungarischen Rechtschreibung. Einige Beispiele: Haras-Harasz, Haas-Hasz. Einige Namen wurden im Laufe der Jahre geändert. Aus Stöcklein wurde Stökl, aus Sander wurde Sandtner und aus Bossenmayer wurde Possmayer. Da die ersten Eintragungen nach Aussage in Dialekt geschahen und auch so niedergeschrieben wurden, haben wir heute das Glück nachzuvollziehen wie der Dialekt unserer Vorfahren war. Beispiele: bei Mahler steht Moler, Durst-Durscht, Nürnberger- Niernbercher, Mülleck-Milek, was wiederum zeigt das jene Personen einem bayerisch/fränkischen Dialekt sprachen. Pater Bernardinum Kleiner war der erste Geistliche der die Sanktmartiner Kirchenbücher niederschrieb.

 DIE ERSTE HEIRAT in den Sanktmartiner Kirchenbücher :11. November 1750, Hack Georgius  vidus geb.1727 heiratet Catarina Werner, virgineTestibus (Trauzeuge) Georgius Lustig und Michael Hag.


Heiratseintragungen 1750

DIE ERSTE GEGURTSEINTRAGUNG in den Sanktmartiner Kirchenbücher: Antonius Kraus,geb.17. Februar 1750, Sohn von Joane Wenzenslaus Kraus und Anna Mariam. Paten: Antonius Scherer und Eva.

 

 Geburtseintragungen 1750

DIE ERSTEN VERSTORBENEN in den Sanktmartiner Kirchenbücher: Anna Mariam Wander geb.1668 catolicus germanicus.

 

Die Ersten Verstorbenen in unseren Kirchenbüchern Am 19. Juli 1736 gab es die ersten Toten nach der ersten großen Cholera-Epidemie, die auch Sanktmartin heimsuchte. ‚Erste eingetragene Verstorbene war Eva Kornacker, Ehefrau von Jakob Schneider. Bis Ende August starben über 150 Personen.

1755-1756 ließ Baron Franz Dominik Harruckern die erste Steinkirche erbauen.

 

Diese Erste Steinerne Kirche ließ Franz von Harruckern 1755/1757 bauen

Der erste Friedhof Sanktmartins lag wie in der alten Heimat der Siedler um das erste Holzkirchleinherum. Die erste verstorbene war eine Anna Maria Wander geb.1668.Nach dem Bau der ersten Steinernen Kirche, wurde der Friedhof am Rande des Dorfes verlegt. Am 28 März 1785 wurde er vergrößert und vom Bischof Emmerich  II Chritovich (1711-1798) und dem Eleker Dechanten Johann Nepomuk Mutz eingeweiht. Die ersten Eingetragenen Verstorbenen waren Johannes Herold verstorben im Alter von 41 Jahren am 02. April 1785 und Eva Durst verstorben am 17.Mai 1785 im Alter von 55 Jahren. Pfarrer Martin Singhoffer war der erste Seelsorger unserer Gemeinde, davor gab es nur Padres .Er verstarb am 19. Februar 1785 und wurde in der damaligen Friedhofskapelle beigesetzt (vermerk in den Sterbematrikel vom 19.Februar 1785).Der Friedhof umfasst sechs Katasterjoch. Heute steht rechts vor dem Eisengittertor die neue Friedhofskapelle, die 1930 erbaut wurde, und als Gedenkstätte für die Gefallenen der beiden Weltkriege dient. Sie wurde von Adam Possmayer gestiftet. In der Kapelle befindet sich eine Marmortafel, in der die Namen der Gefallenen und Invaliden des I Weltkrieges in Goldbuchstaben eingraviert wurde.

Der Vermerk vom Bau unseres Friedhofs und die dort ersten Verstorbenen 1785.

Während in der Zeitspanne 1750-1765 durchschnittlich sieben Eheschließungen im Jahr eingetragen wurden, waren es um 1850 schon doppelt so viele und um 1880 wurden über 100 Eheschließungen im Jahr geschlossen. In den ersten zehn Jahren gab es in Sanktmartin 45 - 50 Geburten im Jahr, um 1850 stieg die Geburtenzahl auf über 100 und im Spitzenjahr 1885 sogar über 200. (Matscha inbegriffen).Um 1820 verließen die ersten Sanktmartiner ihr Dorf in Richtung Lököshaza. Der Grund dieser Abwanderung ist in der Bevölkerungsexplosion bei gleichbleibender Größe der Felder und sonstigem Grund und Boden. Die ersten Familien die nach Lököshaza auswanderten waren: Sandtner, Brandtner, Wild, Münich, Schwarz, Mülleck, Freisinger, Stumpf und Deutsch. Alle kehrten zwischen 1870-1890 nach Sanktmartin oder Matscha zurück. Nach 1820 kauften Sanktmartiner Grund und Boden in Matscha. 1824 zog die erste Familie Josef Weldin und Rosalia Deutsch nach Matscha, ihr erstes Kind wurde am 24.Oktober 1824 in Matscha geboren.

                          Katholische Kirche in Matscha „Hl.Elisabeth“

Die Folgen der Umwandlung zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn durch den österreichischen Ausgleich bestimmten die weitere innenpolitische Entwicklung der Donaumonarchie. Die garantierte Gleichberechtigung fand praktisch keine Anwendung. Die Madjaren fassten Begriff der einheitlichen Staatsnation ganz im madjarisch-völkischem Sinne auf dieser Auffassung zufolge sollten die anderen Nationalitäten in Ungarn zu Madjaren werden. Hatte die deutsche Bevölkerung in Ungarn noch vor dem Ausgleich die Möglichkeit höhere deutschsprachige Schulen zu besuchen, so war das nur noch wenige Jahre möglich. Auch die Kirche unterlag dem Geist der Zeit und stellte sich in dem Dienst der Madjarisierung. Es gab nur noch ungarische Kindergärten, Schulen und ungarische Beamte und Behörden. Ab dem 01.Januar 1868 wird in den Kirchenbüchern nur noch in ungarischer Sprache geschrieben. So werden aus dem Johann der Janos und Franz der Ferenz. Unvorbereitet wurde die Gemeinde am 22. Juli 1873 von einer neuen Choleraseuche überrascht. Die  ersten Toten Veronika Teubert, Ehefrau von Franz Kramm, verstarb im Alter von 25 Jahren. Die Todesrate stieg von Tag zu Tag so dass es am 12.August schon 19 Tote an einem Tage gab. Die Epidemie endete um den 13. September.  Einige Familien waren ganz ausgestorben, wie die von Josef Deutsch und Barbara Haubenreich. Die Gräber der Toten kann man noch heute als Gusseiserne Kreuze, Cholera Kreuze genannt, im Friedhof unserer Gemeinde sehen.

 

Cholerakreuze aus dem Jahre 1873.

Ab 1905 fuhr man nach Amerika um zu arbeiten und „Taler“(Dollar) zu verdienen.1907 stehen die  ersten Eintragungen in den Taufmatrikel von Sanktmartin die in Amerika geboren sind.1. Anton Rieger geb. am 11. Dezember 1907 in New Yersey/USA2. Anna Maria Münich geb. am 18. Dezember 1907 in Allburg/USA3. Michael Hubert geb. am 17.September 1908 in Chicago/USA weitere folgen bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges.

 

                       Sanktmartiner Auswanderer auf der „BREMEN“ am 9.12.1927

Nach 1900 stieg die Einwohnerzahl stetig an, so dass das Gotteshaus zu klein wurde. Pfarrer Josef Karl nahm einen gründlichen Umbau mit stark erweitertem Kirchenschiff in Angriff. Nach Ostern 1908 begannen die Bauarbeiten mit dem Teilabbruch der Kirche. Der schöne Zwiebelturm fiel der Spitzhacke zum Opfer. Sommerende 1910 war das Gotteshaus in der heutigen Form, mit einem hohen Turm fertiggestellt. Die Fläche stieg von 254,5 auf nun 538 qm. Am 11.November 1910 weihte Bischof Johannes Csernoch das Gotteshaus feierlich ein.

 

                            Kirchen Eingang und der Altar mit unserem  HL. Martin

 

                                      Kath. Kirche Sankt Martin der Turm

Anna Gräfin von Wenckheim die Enkelin von J.G.Haruckern erwarb das Sanktmartiner „Dürer“ Bild im Jahre 1842 und schenkte es der Katholischen Kirche in Sanktmartin. Es zeigt die Kreuzerhöhung Christis, und hing bis 1972 in der Sakristei und oberhalb des Heiligen Grabes. Seit den 80er Jahren ist dieses Bild ins Arader Museum überführt worden und liegt nun irgendwo in einem Keller.

                                                               Unser „Dürer“ Bild 

Die Stelle wo später Sanktmartin entstehen sollte war ein völlig verödetes Gebiet, versumpft und daher ungesund. Die Sanktmartiner erlebten dadurch zwei Choleraepidemien die von 1738 und 1873. Überlebenschancen  hatten nur die Siedler, die kein Wasser tranken. Dies war ein Grund für das bepflanzen der ersten Weingärten. Die Cholera wurde erst ab 1910 Einhalt geboten, als der erste Tiefbrunnen, auch „artesischer Brunnen“ genannt, gebohrt wurde, und die Bevölkerung mit gutem, sauberen und hygienisch einwandfreien Wasser versorgen werden konnte. Der ungarische Brunnenmeister Samuel Soos aus Hodmezövasarhely bekam den Auftrag. Die Arbeit begann am 17.März 1910 und dauerte ein Jahr. In der Tiefe von 410 Meter wurde man fündig und er kostete der Gemeinde 13.000 Kronen. Die Trinkwasserqualität war sehr gut. In den sechziger Jahren nahm die Wassermenge ab und man bohrte zwei weitere Brunnen in der Maulbeergasse und am weißen Kreuz, mit einer Tiefe von ca.200 Meter.

 Der Artesische Brunnen

Sanktmartin vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg

Die Erfüllung der staatsbürgerlichen Pflichten galt bei den Sanktmartiner als selbstverständlich, auch dann, wenn bei bestimmten Zeitgeschehen die Zusammenhänge nicht eindeutig erkennbar waren und sie sich den Kopf zerbrechen mussten über die Zusammenhänge zwischen Rechten und Pflichten, um eine eindeutige Haltung und darauffolgendes Eingreifen bzw. Taten folgen zu lassen. Immer war die Einstellung der Landsleute zur Militärpflicht eindeutig, sie galt als Teil der Ertüchtigung der jungen Männer und war gleichzeitig auch ein fester Punkt in der Lebensplanung, wie Beispielweise: Geheiratet wurde nach dem Abschluss der Militärzeit. Das „Einrücken“ war für die meisten der Eintritt in eine völlig neue Welt. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges war die große Stunde der Bewährung gekommen, auch, wenn sie zu ihrem Untergang führte. Am 01. August 1914 erfolgte die Kriegserklärung Deutschlands an Russland, später an Frankreich und schließlich am 03. August an England. Am 05. August erklärte Montenegro Österreich-Ungarn und am 06. August Österreich-Ungarn Russland den Krieg. Somit wurde zwischen den Völkern Europas der Erste Weltkrieg heraufbeschworen. Der Krieg war da, aber auch die Kriegsbegeisterung. Mit Blumen geschmückt, von Fahnen umweht, unter dem Jubel der ganzen Bevölkerung zog man in den Krieg, mit der Gewissheit in einigen Wochen den Feind besiegt zu haben. Die Wirklichkeit sah jedoch ganz anders aus: zwei Versuche, Serbien zu besiegen, waren fehlgeschlagen und die Operationen an der Ostfront verliefen sehr ungünstig. Am 27. August 1916 folgte die Kriegserklärung Rumäniens an Österreich-Ungarn. Bis zum Kriegsende und Waffenstillstand am 03. November 1918 kämpften die Sanktmartiner Schulter an Schulter mit ihren Kameraden an der italienischen Front – einer der grausamsten Stellungskriege, vor allem in den Alpen – für den Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn, für einen Staat, den es eigentlich nicht mehr gab. Man starb für den Kaiser, Gott und Vaterland.....täglich fielen etwa 6.000 Soldaten an den Fronten des Ersten Weltkrieges, was am Ende dieses unseligen Krieges 9.263.000 Tote bedeutete, unter diesen auch 103 Sanktmartiner.



                           Sanktmartiner k.u.k. Unteroffiziere im 1.Weltkrieg

In den Kirchenbüchern sind nur wenige Tote eingetragen, fehlte es an Totenscheinen? Ich habe auf andere Quellen zurückgreifen müssen und zwar auf den Band II der Reihe „Das Banat und die Banater Schwaben“, in dem alle Gefallenen und des Ersten Weltkrieges erfasst sind.
Ab 01. Dezember 1919 gehört das Banat zu Rumänien, in den Kirchenbüchern werden die Eintragungen jedoch bis 1921 in ungarischer Sprache vorgenommen und ab diesem Jahr werden die Vornamen in ihrer lateinischen Form eingetragen. Im Jahre 1914 gab es in Sanktmartin noch über 200 Geburten im Jahr, ein Jahr später nur noch 121, um nach Ende des Ersten Weltkrieges wieder den Vorkriegsstand zu erreichen. Die Geburtenrate verringert sich in den Nachkriegsjahren und pendelt sich in den 1930er Jahren auf etwa 100 Geburten im Jahr ein.
Die Kriegsteilnehmer und Heimkehrer aus dem Ersten Weltkrieg, die Seite an Seite mit Soldaten verschiedener deutschen Stämme, auch mit den eigentlichen Schwaben, gekämpft hatten, akzeptierten die jahrzehntelang betriebene geistige Entmündigung durch die ungarische Elite nicht mehr. Man glaubte nicht mehr an die immer wieder betonte Überlegenheit der ungarischen Nation und wehrte sich immer mehr gegen die abwertende Bezeichnung „büdös svab“ (dummer Schwabe) sowie gegen die Konsequenzen, die eine Gleichbehandlung der Banater Schwaben gar nicht zuließen. Die Donauschwaben wurden sich unter den Bedingungen des jahrzehntelang währenden ungarischen Nationalismus und der massiven Madjarisierungsbestrebungen immer mehr ihres Wertes und ihrer besonderen Eigenschaften bewusst und finden im erwachten Wertegefühl immer mehr zueinander. Die Stammwerdung ging nunmehr bei den Schwaben im nun rumänischen Teil des Banates, beschleunigt ihrer Vollendung entgegen.
Nach dem Ersten Weltkrieg begann ein wirtschaftlicher Aufschwung in Nord- und Südamerika und so zog es viele Banater Schwaben wieder in die weite Welt um Geld zu verdienen. Die ersten Eintragungen von Geburten im Ausland in den Sanktmartiner Kirchenbüchern sind:
Franz Kaupert, 30. Oktober 1926, Buenos Aires/Argentinien
Martin Possmayer, 30. Juli 1927 Buenos Aires/Argentinien
Anna Maria Münich, 19. April 1929 Buenos Aires/Argentinien
Elisabeth Fackelmann, 08. Februar 1930 Hamilton/USA
Franz Endres, 17. November 1930 Elisabeth/USA
Auf dem Giebel des Hauses von Elisabeth Wagner in Sanktmartin, Rückkehrer aus USA, stand folgender Spruch
„Das Haus ist mein und doch nicht mein,
Dem Zweiten wird es auch nicht sein,
Dem Dritten wird es übergeben,
Der wird auch nicht ewig leben,
Dem Vierten trägt man auch hinaus,
Nun sag mein Freund, wem gehört dies Haus?“

Nach dem wirtschaftlichen und politischen Erstarken Deutschlands in den 1930er Jahren wandten sich die
Volksdeutschen ganz selbstverständlich dem Mutterland zu und suchten hier nach Schutz, Hilfe und Unterstützung in der Gewährung der schon lange verbrieften, aber nicht gewährten Rechte einer in Rumänien lebenden nationalen Minderheit. Wir waren Deutsche und bekannten uns zu unserem Volkstum.

 

                                      Der Sanktmartiner Kirchenchor 1938

In den 30ger Jahre des Vorigen Jahrhunderts begann ein kultureller Aufschwung im Banat und somit auch in Sanktmartin. Männer, Frauen, Jugend und viele andere Vereine wurden gegründet. Man lernte und studierte in der Banatia, Notre Dame in Budapest und Wien.

                               Das Konsum                                            Die ersten Kirchweihtrachten 1936

In Sanktmartin eröffneten die Notre Dame Schwestern am 15. Oktober 1939 den ersten Kindergarten.
1941 stiften Barbara Hatzelhofer und Barbara Wagner eine neue Orgel, der Firma Wegenstein in Temesvar die kostete 610.000 Lei.

                                                                                   Die Orgel

 

                                     Am 01. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg.

Sanktmartiner als deutsche Soldaten im Russland Feldzug 

Seit Juni 1941 mit Beginn des Russlandfeldzuges standen 45.000 Volksdeutsche aus Rumänien mit ihren rumänischen Einheiten an der Ostfront. Mit dem SS-Abkommen vom 12. Mai 1943 wurden nochmals 50.000 Deutsche aus Rumänien in die deutschen Truppenverbände eingezogen. Die Toten des Zweiten Weltkrieges sind auch nur spärlich und sporadisch in den Kirchenbüchern eingetragen. Die meisten Namen der im Krieg Gefallenen und Vermissten habe ich auch hier aus der Buchreihe „Das Banat und die Banater Schwaben. Der Leidensweg der Banater Schwaben im Zwanzigsten Jahrhundert“ entnommen. Hier werden die Namen von 206 gefallenen und vermissten Sanktmartinern in der rumänischen und deutschen Armee aufgelistet. Ende März 1944 wurde die Ostfront auf rumänisches Gebiet zurückverlegt. Am 06. Juni ist die Invasion der Alliierten an der Atlantikküste geglückt. Am 23. August putschte die rumänische Regierung, nachdem sie Deutschland den Krieg erklärt hatte. Vor dem Hintergrund dieser Ereignisse blieb das Banat lange Zeit über eine Insel des Friedens. Am 26. August wurde Sanktmartin von ungarischen Truppen besetzt. Ab Mitte September begann die Flucht der Banater Schwaben vor den heranrückenden sowjetischen Truppen Richtung Westen. Die Sanktmartiner hatten sich auch zur Flucht entschlossen, gerade noch rechtzeitig, bevor die Russen am 19. September das Feuer auf die ungarischen Truppen im Osten der Gemeinde am Brickla begonnen hatten. Die daheim gebliebenen erlebten Tage des Grauens. Am 10. Oktober 1944 werden allen Deutschen in Rumänien per Dekret ihrer Bürgerrechte entzogen und die Enteignung somit vorbereitet. In Sanktmartin wird wenige Tage danach eine Kommission gegründet, die vorrangig die Inventur aller Vermögenswerte zusammenstellte. Im Oktober/November 1944 legen die rumänischen Behörden Namenslisten aller arbeitsfähigen Deutschen an. Männer zwischen 17 und 45 Jahren, Frauen von 18 bis 32 Jahren wurden auf Listen erfasst, es gab jedoch auch manche meistens unrechtliche Verschiebungen nach oben und nach unten. Am 14. Und 16. Januar begann man mit der Deportation der Sanktmartiner nach Russland. Die von rumänischer Seite bereitgestellten Güterzüge wurden von sowjetischer Seite übernommen und bewacht. Die meisten Deportierten kamen in die Lager des Donezbeckens, Stalino und Woroschilowgrad, andere blieben westlich des Dnjepers in Kriwoi-Rog. Die ungewohnte Arbeit in den Kohlengruben oder Wald- Erdarbeiten sowie der Bau von Eisenbahnstrecken in Verbindung mit der unzureichenden Ernährung forderte schon bald die ersten Opfer. Zu den schweren körperlichen Belastungen, menschenunwürdigen Behausungen und Kälte gesellten sich seelische Not durch die Trennung von der Familie und Angehörigen sowie der allzeit gegenwärtige Hunger und das ebenfalls immer gegenwärtige Heimweh.

 

 Russlanddeportation In den Sanktmartiner Kirchenbüchern sind die in russischen Lagern verstorbenen Sanktmartiner nicht eingetragen, Pfarrer Josef Chambre hat auf Grund fehlender Totenscheine im Geburtenregister den Eintrag: “gestorben im Lager UdSSR „ vorgenommen, wie Elisabeth Mayer geb. 18.06. 1917 verst. 07.08.1945 Lager Nr. 190Anton Rung geb.19.01.1906. verst. 07.08.1945 Lager Russland Anton Braun geb.16.11.1899 verst. 11.08.1945 Grasnodon /Russland.In dem o.a. Zweiten Band der Buchreihe Das Banat und die Banater Schwaben werden 77 in Russland verstorbene Sanktmartiner namentlich erwähnt. Ab September 1944 waren zahlreiche Sanktmartiner auf der Flucht, wobei manche auch schon zeitlich weit vor der Flucht geboren wurden, wie Adolf Kilian geb. 13.04.1941 in Bukow /Deutschland Erika Braun geb. 27.05.1941 in Berlin Anton Zimmermann geb. 20.01.1945 Hürn /Sankt Pölten/Österreich(wehrend der Flucht)Sanktmartin von 1945 – 1992. Im Jahre 1945, nachdem Dr.Petru Grosa die Macht übernommen hatte, begann die Agrarreform durch die Enteignung der gesamten deutschen Bevölkerung. Aus diesem Grund wurde auch in Sanktmartin eine Kommission zur Enteignung unter dem Vorsitz von Vaci Mihai aus Matscha gegründet. Am Anfang der Bodenreform gab es in Sanktmartin nur wenige Rumänische Kolonisten. Jeder bekam 10 Joch Feld, landwirtschaftliches Inventar und Häuser von enteigneten deutschen Sanktmartiner. Chirilas Ilie aus Kurtitsch brachte später 60 Familien aus der Gemeinde Siclau. In der Schule der Gemeinde wurde nun zum ersten Mal in rumänischer Sprache unterrichtet. Es gab neue Bücher und Neue Lehrer, die den Kindern nun den neuen Geist der sozialistischen Wirtschaft und Volksdemokratie beibrachten. Das Jahr 1946 war für die Moldau ein schweres Jahr. Durch Trockenheit gab es keine Ernte. Die dortige Bevölkerung emigrierte zum Teil ins Banat darunter 40 Personen nach Sanktmartin.



Ab 1945 zogen rumänische Kolonisten aus den Benachbarten Dörfern in Sanktmartin ein. Ölbild von Stefan Jäger.

 Agitatoren aus den Kreisstädten zogen in die Banater Dörfer um bei der Enteignung kräftig mitzuhelfen.   

Im Oktober 1945 kehren bereits die ersten nach Russland Deportierten nach Sanktmartin zurück, die noch ein Schatten jener waren, die neun Monate davor verschleppt wurden: krank, erschöpft, abgemagert, ausgezehrt, am Ende ihrer Kräfte und um Jahre gealtert. Bei anderen Deportierten dauerte es noch Jahre bis zu ihrer Heimkehr. Viele Sanktmartiner hatten die Möglichkeit, nach ihrer Entlassung aus den Lagern, aus Russland, nach Österreich oder Deutschland zu fahren, einige von diesen wanderten später nach Nord- und Südamerika aus. Am 10 Juni 1950 wird die Kollektivwirtschaft „3-5 Martie“ gegründet und Sanktmartin kommt zum Kreis Chisineu Cris und Region Arad. Am 21.Dezember wird Hulbar Vasile zum Vorsitzendender der Gemeinde Sanktmartin gewählt.

1. Mai, 23. August und 7. November ersetzten nun Oster und Weihnachtsfeier.
Nach dem Zweiten Weltkrieg fielen die Geburtsraten drastisch. Waren es im Jahre 1944 noch 54 Geburten, so sank diese im Jahre 1946 auf 19. Ab 1950 stieg die Geburtenrate wieder an und belief sich auf 60/ Jahr. Die Geburtenrate blieb bis Ende der 1970er Jahre konstant und sank in den 1990er Jahren aus hinlänglich bekannten Gründen nahezu auf null. Heiratete man bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges nur untereinander oder in nahe gelegene Ortschaften, so begann ab 1947 der Anfang vom Exodus: Man heiratete auch in weiter gelegene Ortschaften und Ende der 1950er Jahre begann die Auswanderung nach Deutschland und Österreich im Rahmen der Familienzusammenführung. In den Jahren 1956/1957 bekamen die Sanktmartiner ihre Häuser zurück. Nach zwölf Jahren der Enteignung, Rechtlosigkeit, Deportation, Flucht, Demütigung und Schmach, erhielten die deutschen Einwohner wenigstens einen Teil ihrer Rechte zurück. Die Rückgabe der Häuser mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Der Auszug der rumänischen Kolonisten verzögerte sich häufig und oft war eine Abfindung erforderlich, um diesen zu beschleunigen. Mobiliar und Hausgeräte waren in der Regel zerstört oder verschwunden und nach jahrelanger Verwahrlosung standen einige Renovierungsarbeiten an. Einige der in Staatseigentum übergegangenen Häuser und Grundstücke wurden für verschiedene Zwecke an gesellschaftlichen Organisationen oder an Privatleute zur Nutzung, bzw. für Bauzwecke überlassen, wodurch eine Rückgabe abgelehnt wurde. Die meisten  Kolonisten gingen ab 1957 in Ihre Dörfer nach Matscha, Kurtitsch, und Siclau zurück. Die restlichen „heimatlosen“ rumänischen Kolonisten aus der Moldova, Dobrogea und anderen Teilen Rumäniens, bekamen am Eingang des Dorfes in der Nähe der Mühle bekannt unter dem Namen „Korea“ oder „Trei Prune“ Grundstücke um dort Ihre Häuser zu bauen. Nach 12.Jahren der Enteignung, Staatenlosigkeit, Deportation, Flucht, Demütigung und Schmach  erhielten  die Sanktmartiner wenigstens einen Teil ihrer Rechte zurück. Es war ein Anfang und gleichzeitig ein neuer Aufschwung.1961 erfolgte dann eine Verurteilung der Deportationsmaßnahmen durch G.G. Dej. Die Schuld schob er den moskautreuen, stalinistischen Funktionsführern Anna Pauker, Vasile Luca und Teohari Georgescu zu. Die Zerrissenheit vieler Familien nach dem zweiten Weltkrieg, durch Enteignung, Rechtlosigkeit, Unterdrückung nationaler Rechte, später die Wirtschaftsmisere in Rumänien und die Perspektivenlosigkeit der Jugend, führte dazu das immer mehr Familien den Beschluss fassten der Heimat Ade zu sagen und bei den rumänischen Behörden als „Familien-Zusammenführung'' zu begründen. Nach Aufnahme diplomatischer Beziehungen der BRD zu Rumänien im Jahre 1967 und der besonderen Abkommen über deutscheZahlungen konnten jährlich immer mehr aussiedeln die mit den Schmiergeldzahlungen in den achtziger Jahren den Höhepunkt erreichten.

 

 In solch einer Kiste war das Hab und Gut der Sanktmariner als Sie in Deutschland an kamen.

Im Jahre 1945 gab es sechs Heiraten, ab 1950 schon wieder über dreißig und endete im Jahre 1990 mit nur drei Ehen.Man begann wieder zu feiern, zu tanzen und zu heiraten. Ironie des Schicksals war, dass in den 60er Jahren durch die Kollektivierung und die Industrialisierung Rumäniens der Lebensstandard immer mehr stieg und der Durchschnitt der arbeitenden Bevölkerung stetig wuchs. Gab es in den 50er Jahren nur wenige Radios, so stiegen diese in den 60er rasant in die Höhe. Später kamen Fernseher, Kühlschränke, Elektroherde, Motorräder und PKW’s hinzu.

 

Die Zootechnie

Der „Sitz der Kolektiv“
Was im September 1944 mit der Großen Flucht begann, endete mit dem Tod des „geliebtenFührers Ceaucescu'' im Dezember 1989. Die Grenzen wurden geöffnet, die Dämme brachenund ohne Rücksicht auf das Versprechen der neuen rumänischen Regierung drängten die verbliebenen Sanktmartiner in den Westen. Heute leben noch ein paar Dutzend deutsche Sanktmartiner in der alten Heimat. 266 Jahre war Sanktmartin unser Aller Zuhause. Nun sind wir verstreut in ganz Deutschland, Argentinien, Nord und Süd Amerika in der ganzen Welt.

Bernhard Fackelmann

 

Im Auftrag derKulturgemeinschaft „Die Sanktmartiner“                     München, Dezember 2012