Mittwoch, der 21. Februar 2024
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PUSZTA HEIMAT SANKTMARTIN


                                  Egal wo ich hinfahre,
                                  egal wo ich stehe,
                                  weiß ich immer, dass ich
                                  ein Sanktmartiner-Franke bin.

Zu Pfingsten jährt sich wiedermal unser Heimattreffen, Grund über die Heimat nachzudenken. Vor 42 Jahren am 27. Dezember um ca. 13 Uhr überschritt ich die ungarisch-österreichische Grenze und fühlte, dass ich nun in einer freien, von mir gewollten Welt leben werde. Ich war 30 Jahre alt. 30 Jahre habe ich in meiner Heimat verbracht, in einer Zeit geprägt durch einen stalinistischen Kommunismus der fünfziger Jahre, eine leichte Demokratisierung Anfang der sechziger bis Mitte der siebziger Jahre, gefolgt von einer stalinistischen-Ceausescu Diktatur. Der Anfang in Deutschland war kein Zuckerlecken, aber man war voller Zuversicht das zu erreichen wovon, man immer geträumt hatte. Die Jahre vergingen, man hat alles erreicht und vieles mehr. Doch je älter man wird, um so mehr fragt man sich, war alles richtig, was man tat. Die Heimat austauschen für ein besseres und sogenanntes freie Leben? Doch von Jahr zu Jahr, von Tag zu Tag neigen sich die Schalen der Waage; Heimat, Freiheit, Gemeinschaft, Zugehörigkeit, Zusammenhalt, von früher und heute, in die eine Richtung.

HEIMAT, Alte Heimat, verlorene Heimat der Ort wo man geboren wurde, das Elternhaus, die Eltern und Großeltern, die Geschwister, mit denen man zusammenlebte, die nahe Verwandtschaft und Freunde. Die Kirche in der man getauft wurde, die erste heilige Kommunion, die Heirat und Taufe der eigenen Kinder. Der Kindergarten in dem man die ersten Gedichte lernte, die Schule und Schulfreunde, die Nachbarn und die Gemeinschaft des Dorfes, der Zusammenhalt in guten und schlechten Zeiten. Heimat ist der Ort, wo man sich durch ständigen Aufenthalt zu Hause fühlt, wo das Herz schneller schlägt, wenn man darüber redet.

NEUE HEIMAT, Deutschland wir alle haben hier eine neue Heimat gefunden. Doch hier klingt das Wort "Heimat" altmodisch, irgendwie unpassend in einer vernetzten, grenzenlos gewordenen Welt. Man nennt sie sogar globalisiert. Hier in Deutschland ist das Reden über Heimat anrüchig, weil unsere Geschichte die schrecklichsten Seiten der Heimatverbundenheit gezeigt hat? Wegen eines Hitlers und 12 Jahre Nazi-Diktatur ist Multikulturalismus, die bunte Mischung der Kulturen, angesagt. Doch mit der einfachen Gegenüberstellung von "Multikulti" und "Deutschland den Deutschen" ist man offenkundig in einer Sackgasse geraten. Statt auf ein fröhliches Fest der Kulturen, trifft man im Alltag auf deutliche Trennungen zwischen deutschen und ausländischen Mitbürgern. Die Eingliederung kommt nicht voran und betroffen sind alle. Darüber nachzudenken, was einem selbst Heimat bedeutet, welche Freiheiten und Probleme mit ihr verknüpft sind, macht aufmerksam für die Probleme der unfreiwillig Heimatlosen und all derjenigen, die zwischen verschiedenen Heimaten hin- und her gerissen sind. Wir sagen uns immer: Wir haben hier eine neue und bessere Heimat gefunden. Was liegt an diesem Satz?Es wird deutlich, dass heutige Heimatforscher davon ausgehen, dass der Mensch sich ein neues Lebensumfeld schaffen kann: "Unter heutigen Bedingungen kann Heimat auch nicht mehr statisch an den Ort der Geburt gebunden sein. Heimat kann auch neu gewonnen werden". Der Heimatbegriff schließt gewissermaßen die Möglichkeit auf Beheimatung ein, also auf Aneignung einer vertrauten Lebenswelt und Ausbildung sozialer Zugehörigkeiten. Heimatfindung kann gleichsam in beweglichen Modellen von Raumdefinitionen und persönlichen Zuordnungen erfolgen. Heimat als sozialer Raum eröffnet sich in lebens- und alltagsweltlichen Interaktionen im Rahmen von Bekanntschaften, Freundschaften und Nachbarschaften. So verstanden ist Heimat Lebensmöglichkeit und nicht Herkunftsnachweis. Heimat ist Lebensort, der Ort, an dem man zu Hause ist und sich zu Hause fühlt, "wo ich im vollen Sinne lebe als einer, der eingewöhnt ist und nicht nur eingeboren". Heimat ist ein Raum, den man sich durch einen schöpferischen Prozess aktiv aneignen kann. In dem Begriff Heimat steckt das germanische Wort „heim“. Das bedeutet „Dorf“ oder „Haus“. Gemeint ist damit der Ort, an dem man lebt, wo man „zu Hause“ ist. Heimat bedeutet für viele Menschen etwas Schönes. Sie denken an den Ort, wo sie aufgewachsen sind, an ihre Kindheit, an die FAMILIE und an vertraute Freunde aus der Schulzeit. Es ist ein Ort, wo sich Menschen geborgen fühlen. Das Gefühl von Vertrautheit und Sehnsucht verbindet sich für viele Menschen mit der Heimat. Manche haben Heimweh, wenn sie fort aus der Heimat sind. Es gibt Menschen, die von einer „Wahlheimat“ sprechen, wenn sie an einem Ort leben, wo sie sich wohl fühlen. Heimatgefühl verbindet uns mit Menschen, Orten, aber auch mit uns selbst. Wenn wir uns zu Hause fühlen, können wir sein, wie wir sind. Aber Heimat ist noch mehr. Die Erinnerung gehört dazu, die ins unterbewusste Gedächtnis eingebrannte Mischung aus Geschmack, Geruch, Geräuschen, der Duft von Bratwurst und Schneckali auf dem Küchentisch, das grelle Geschrei der Kiwitzli und Kräkli am Himmel, der Ruf des Kuckucks, die hohen Wolken, die unendliche Weite des Horizonts, oder dem Morgennebel über herbstlichen Feldern und Wiesen. Heimat ist Gänsebraten und Selbstgebrannter, der Dialekt der Kindheit, das Klopfen der Karten auf dem Tisch, die Lieblingsmusik der Eltern, das Gutenachtgebet, der Geruch von Kapokanas und Weihnachtsbaum im Wohnzimmer und das Aroma von selbst gebackenen Brot. Solange die Heimat da war, spürt man sie kaum, wie gute Luft, die man atmet und für selbstverständlich hält. Erst wenn beides fehlt, erkennt man ihren Wert. Dann schmerzt die Lunge von Kneipenqualm und die Seele von Heimatverlust.Erst die Fremde hat uns gelehrt, was wir an der Heimat besitzen. In der Fremde erst erlebt ein jeder, diesen plötzlichen Wärmestrom, wenn man über die Alte Zeit spricht, wenn im Radio oder Fernsehen die alten Lieder von einst gesungen werden oder Filme gezeigt werden mit glücklich verbundenen Menschen in Ihrem Heimatort. Deswegen ist Heimat auch umso schöner, desto weiter weg sie ist. Aus der Ferne sieht man keine fahle Haut, keine Falten. Ferne verklärt und macht sehnsüchtig. Manchen so sehr, dass er ohne Heimat nicht mehr leben will. Viele sind im Alter erschöpft durch die langen Jahre heimatlosen Wanderns und resigniert, nachdem die Welt der eigenen Sprache untergegangen ist und die geistige Heimat im Banat sich selbst durch Auswanderung, vernichtet hat. Wenn ich daheim bin, versteht mich jeder sofort", sagt jeder Sanktmartiner dem die Geborgenheit und die Sanktmartiner Mentalität wichtig ist. Heimat, es ist noch nicht lange her, das waren „Schön ist die Jugend" und „Egerland Heimatland, Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde oder“ Am Brunnen vor dem Tore“.Heimat, das waren Trachtengruppe und Blaskapelle, Spießigkeit und Nachbarschaft, der Nachhall von nationalem Pathos und das deutsche Wesen, der Stolz Deutscher zu ein. All das wird heute von den Vaterlandslosen Gesellen nur belächelt und bekämpft.

Für uns Sanktmartiner aber wird das Gefühl der Zugehörigkeit von verschiedenen Signalen ausgelöst, von dem eines Ortes und dem besonderen Zauber, den er mit seinem Duft, seiner Silhouette, seinem Licht auf uns Sanktmartiner ausübt. "Heimatlob„ ist das Ehrenwort. Unser viel geliebtes Sanktmartin mit seinen Häusern und Straßen, seinen Feldern und Wiesen, unsere sanften Wege führen uns überall hin. Man sieht es und genießt es, allein zu sein, zu entspannen, und zu wissen „ Ich bin zu Hause." Zu Hause sein, ein warmes Gefühl in einer kalten Welt. „Around the World“, in der nichts hält und niemand einen Halt findet, es sei denn, er hat Heimat. Durch Menschen, Glauben, Vertrauten, das Gefühl von Beständigkeit. Heimat – das Edle für die Seele. "Heimat, Heimweh, Heimkehr „Sanktmartin!" "Heimat und Heimweh. Ein Ton von Trauer und Melancholie schwingt stets mit. Denn die heimatlichste Heimat ist das Land der Kindheit, das Reich der Erinnerung. Bei allen Anfällen von Depressionen rettet sich jeder in seine Heimat, in die Erinnerung an die Kindheit. In diesen Erinnerungen kann jeder seine Ruhe finden. Für mich geben diese Erinnerungen ein Gefühl der Vertrautheit, der Geborgenheit, sie beruhigen mich. Niemand kann es mir nehmen - das ist meine Heimat mein Sanktmartin.„ In einer Multikulti und Globalisierten Zeit, ist es noch nicht zu spät unseren Kindern und Enkeln dringend zu empfehlen über die Heimat zu sprechen und sich gleichzeitig selber fragen; darf man heute noch von „Heimat“ sprechen? Dann müssen wir erst dringend über Heimat sprechen und zwar ohne diese pathetisch zu verklären oder als Trostpreis der Globalisierungsverlierer zu diffamieren. Wenn nicht bleibt Heimat ein Traum.

Kennst du das Land, wo weit die Ähren stehen,
Im dunklen Laub leuchtend Maulbeeren glüh’n,
Ein warmer Wind vom blauen Himmel weht,
Der Thymian still und hoch die Klitsch‘n steht?
Kennst du es wohl?
Dahin dahin
Möchte ich mit dir, meine Geliebte, ziehn.
(Frei nach Goethe)

Bernhard Fackelmann
Vorsitzender der Samatimer HOG