Dienstag, der 20. Februar 2024
Die Sanktmartiner Logo

 

Logo
Schriftgröße:

Liebe Landsleute,

Im Mai 2024 jährt sich zum 300. Mal die Auswanderung unserer Ahnen aus Franken. Auf Geheiß des Barons Johann Georg von Harruckern versammeln sich 380 Siedler am 20. Mai 1724 in Gerolzhofen. Zwei Jahre zuvor kommen Mitarbeiter des Barons nach Gerolzhofen und werben um Siedler, die sich auf den Ländereien um Gyula ansiedeln sollen. Harruckern versprach ihnen volle Freiheit sowie Grund und Boden, ein Haus, Viehbestand und einen Freibrief.
Die Übersiedlung fränkischer Emigranten ins damalige Ungarn hatte mehrere Gründe. Franken leidet an den Nachwirkungen der blutigen Religionskonflikte des Dreißigjährigen Kriegs, viele Bauern leben in Armut, Missernten und Landmangel bedrohen sie existenziell. Fronarbeit von zehn Tagen im Monat beim Grundherrn, ob Adel oder Kirche war üblich, das Erbe meistens nur an den Erstgeborenen überschrieben, die Landknappheit durch ein Erbrecht, welches das Land in immer kleinere Parzellen aufteilte so dass bei vielen ein Überleben kaum möglich war, gleichzeitig aber der Traum von einem besseren Leben stetig wuchs.
Harruckers Versprechen wirkte auf Viele, wenn auch die meisten daran zweifelten und dem Aufruf nicht folgten. Ungarn war damals ein fremdes, wildes und fernes Land. Trotzdem versammelten sich Mitte Mai 1724 - 380 Personen die den Mut, Kraft, Hoffnung und das Geld für die Reise besaßen. So musste jeder die Summe von 14 Floriner aufbringen, welche nur ein reicher Bauernsohn besaß. Am 20. Mai 1724 war es dann so weit. Nach einer Messe am frühen Morgen nahm man Abschied für immer und machte sich auf den weiten Weg in eine unsichere und fremde Heimat, aber mit voller Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
In Gedenken an unsere Vorfahren, die damals auswanderten und Sanktmartin besiedelten wollen wir nächstes Jahr feiern. Der Vorsitzende der Samatimer HOG Bernhard Fackelmann und die Stellvertretende Vorsitzende Brigitte Lustig mit Partnern trafen sich am 5. September mit dem Bürgermeister Thorsten Wozniak, Frau Gabriele Schmitt, der Sekretärin Frau Beate Glotzmann und dem Kulturreferenten Herrn Andreas Leubner . In einem freundschaftlichen und sehr hilfreichen Gespräch einigte man sich die Gedenkfeier am 22.Juni 2024 abzuhalten. Nach Rücksprache mit Pfarrer Mai aus Gerolzhofen werden wir die Hl. Messe um 11.00 Uhr feiern.

Die Feierlichkeiten beginnen mit einem Trachtenumzug von einem aufgebauten Zelt, der genaue Standort wird uns noch mitgeteilt, um 10:30 zur katholischen Kirche in der vor 300 Jahren, am 20.Mai 1724 unsere Vorfahren um 6.Uhr früh am Morgen die Abschiedsmesse hielten, bevor sie den weiten Weg ins damalige Ungarn antraten. Nach der Hl. Messe geht es zurück ins Zelt zum Mittagessen. Es folgen Grussworte , Unterhaltung und Ballabend bis spät in die Nacht. Wir werden Busse von Augsburg und Bietigheim organisieren damit ein jeder essen und trinken kann, weil Hotelzimmer rar sind und meistens in den Nachbardörfern ca. 5-7 km entfernt. In Gerolzhofen gibt es nur zwei Hotels mit insgesamt 28 Zimmern, welche schon alle belegt sind. Im Nachbarort Sulzheim hat das Hotel „Landgasthof Goldener Adler, Fischer OHG“ zurzeit noch freie Zimmer.
Für Catering gibt es mehrere Firmen in und um Gerolzhofen wo wir, mit Hilfe des Kulturwerkes der Stadt, das Beste aussuchen. Nähere Informationen im Laufe der nächsten Monate.
Liebe Landsleute, dieses Fest ist einmalig und würdig es dementsprechend im großen Rahmen zu feiern. Es wird wie auch die 300-jährige Gründung unseres Heimtortes Sanktmartin eines ,wenn nicht das letzte „GROSSE FEST“ welches wir die Erlebnisgeneration noch feiern können. Kommt mit Kindern und Enkeln in die Heimat unserer Ahnen, zeigt Ihnen die Wurzeln und Herkunft unserer Vorfahren. Wir alle wollen wissen, wer wir sind und woher wir kommen. Ganz gleich, was wir im Leben erreichen, ohne diese Klarheit bleibt eine Leere in uns, ein Gefühl der Wurzellosigkeit. Unsere Existenz, unser Dasein verdanken wir diesen Auswanderer. Ohne Sie, ohne ihren Mut auszuwandern und in Sanktmartin eine neue Heimat zu finden, würde es uns nicht geben. Ihre Arbeit, ihre Schaffenskraft und die Gründung von Familien mit Kindern haben es erst ermöglicht dass, nach 9-10 Generationen, auch wir ein Teil dieser Gemeinschaft wurden. Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt, der froh von ihren Taten, ihrer Größe, den Zuhörer unterhält und sich still freuend, am Ende dieses schönen feierlichen Umzugs geschlossen und gestärkt sieht. Wir alle sind in der Verpflichtung ihnen heute Danke zu sagen und uns an sie und ihre Leistung zu erinnern. Das Bewusstsein der Verbundenheit mit früheren Generationen kann wie eine hilfreiche Rettungsleine durch die schwierige Gegenwart sein.

Jene die keinen Wert auf ihre Ahnen legen haben keine Vergangenheit, Ahnen sind für diese von Null Bedeutung . Für die große Mehrheit von uns sind die Ahnen aber besonders nahe, sie sind uns vertraut, teilweise haben wir sie selbst noch kennen gelernt oder Geschichten über sie erzählt bekommen. Unsere Ahnen sind immer da, sie bilden unsere energetische und innerliche Basis.
In den über 120 deutschen Banater Ortschaften gibt es keine einzige Gemeinde welche die Orte ihrer Vorfahren in Deutschland oder den Tag und Ort der Auswanderung so kennt wie die Sanktmartiner. Das erfüllt uns mit Stolz und Geschichtsbewusstsein . Um einen großen Beitrag zu leisten, treffen wir uns am 22. Juni 2024 in Gerolzhofen zur Erinnerung an unserer Geschichte, für die Stärkung unseres Zusammenhaltens und zum Wohle unserer Gemeinschaft.

Im Auftrag des Vorstandes der Samatimer HOG
Bernhard Fackelmann
Vorsitzender der Samatimer HOG