Donnerstag, der 09. Juli 2020
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Von den Orts-Sagen zur realen Geschichte Sanktmartins

Geschichten die im dunkeln liegen werden aus Unwissenheit zu einer Legende oder Sage. Eine dieser Sagen unserer Vorfahren ist der Tänzer und Tatarenhügel. Diese standen schon Jahrhunderte dort, bevor unsere Vorfahren Sanktmartin besiedelten. Die Sage dieser Erdhügel erzählt folgendes:

Der Tänzer oder Tenkars-Hügel
Eine Frau mit Namen Tenkari, die schon sehr alt war, wurde von den Leuten als eine Hexe gehalten. Da sie aber alle Weh-Weh-chen heilte wurde sie im Dorfe gebraucht. Plötzlich hörte man, dass die alte Tenkari sich auf dem Dachboden erhängt hatte. Die alten Dorfleute sagten zu den Jüngeren, die Tenkari ja nicht vom Dachboden runtertragen, da sie die Hexe Ihnen das Glück aus dem Hause trage. Was sollte man tun? Sie dachten nach und haben folgendes herausgefunden: Sie öffneten das Dach und haben die Tenkari so aus dem Dachboden geholt. Danach wurde sie weit, weit weg vom Dorf getragen und auf einem Hügel begraben. Seit jener Zeit heißt der Erdhügel „Tenkarshichl“.

Der Tatarenhügel
Als die Tataren in unserer Gegend eingedrungen sind, haben sie Sanktmartin auch nicht verschont. Die Sanktmartiner waren überrascht. Die Tataren wurden als lange Leute mit nur einem Auge, mitten auf Ihrer Stirn, beschrieben. Auf der Wiesen (Hadn), war die Schlacht und viele Tataren und Einheimische sind gefallen und in einem Grab wurden alle begraben. Weil es so viele waren, ist über ihnen ein großer Hügel errichtet worden.
Hier verweist man auf das Massengrab der Schlacht bei Szent Martony Puszta aus dem Jahre 1564, der aber erstes kein Hügel ist und zweitens ganz woanders liegt.

Die wahre Geschichte dieser Hügeln, liegt achthundert Jahre zurück im 13. Jahrhundert zur Zeit des Mongolensturmes.

Unter Ögedei Khan konnten die Mongolen nicht nur Nordchina erobern, sondern fielen 1235 in Europa ein. Der „Mongolen oder auch Tatarensturm“ verwüstete weite Teile Russlands, Ungarns, Polens und der Ukraine und kam zum Ende, als sich die Krieger nach dem Tod Ögedeis 1241 zur Wahl des neuen Großkhans in die Mongolei zurückzogen. Der Mongolen Tatarensturm Einfall (1240-1245) in Ungarn, schockierte das Abendland und rückte die lange unterschätzte Gefahr brutal in den Fokus der Aufmerksamkeit. Die Ausdehnung des ungarischen Königreichs östlich und südlich der Karpaten und die Annahme von König Bela V. (1235–1270) in Bezug auf die Gewährung von politischen Asyl, des Kozian und seinen Cumans, (ein Clan) den alten Feinden der Mongolen, wird den Lauf der Geschichte verändern. In dieser Situation beschließt der große Tatar Khan Batu, Podolia zu verlassen, in Nordmoldawien einzudringen und im März 1241 durch den Pass von Cérlibaba (Tatarpass) nach Siebenbürgen zu gelangen.
In Siebenbürgen brachen die Mongolen an drei Stellen ein. Unter Kadans Führung über den Borgóer Pass kommend, nahmen sie die deutsche Bergstadt Rodna ein, verwüsteten Bistritz und zogen nach Klausenburg weiter, wo sie einer damaligen ausländischen Quelle zufolge „unzählbar viele Ungarn“ niedermetzelten. Die nicht nach Nordsiebenbürgen geflohenen Bewohner wurden ermordet und ihre Dörfer angezündet.

Die Sanktmartiner Hügeln: Oben Tänzer, Unten: Tataren

Die Eingeborenen, vielleicht gewarnt von den Hirten, die in den Bergen lebten, ziehen sich von den Dörfern zur Festung Rodna zurück, der alten Militär Festung, die von den Siebenbürger Sachsen geführt wird.
Die Sachsen werden zusammen mit den Walachen nicht auf die Belagerung der Festung warten, sondern kommen heraus, um die Tataren zu treffen, die Verteidigungsstellungen auf dem engen Tal einnehmen, das Zugang zu ihrem Ort bietet. Die Bedingungen des Landes und des engen Tals, dass von den steilen Bergen umgeben war, erlaubten den Einsatz der Tatarenkavallerie nicht. Aus diesem Grund wurde der erste Angriff der Tataren abgewehrt. Die Generäle Cadan und Buri greifen auf die traditionelle tatarische Strategierückzug zurück und hinterlassen den Eindruck, dass sie die Niederlage akzeptieren. In dem Glauben, einen endgültigen Sieg errungen zu haben, vernachlässigen die Rodnaer die Verteidigung der Festung und feierten auch den Ostertag (31. März) mit dem Sieg über die Tataren. Inmitten eines hohen Weinkonsums geraten die Einheimischen in Panik, als der zweite tatarische Angriff gestartet wird. Sie zerstören die Armee von der Verteidigungslinie und betreten die Festung, wo auch die Zivilbevölkerung dezimiert wurde. Die Chroniken sagen, dass an diesem Ostertag etwa 4.000 Menschen durch das tatarische Schwert starben. Der sächsische Pristal ergab sich und wurde gezwungen, zusammen mit den 600 am Leben gelassenen Sachsen, Führer des Tatarengebiets zu werden und die notwendigen Vorbereitungen für seine Invasion zu treffen.
Eine der Horden wird nach Oradea fahren, auf der Route Dej-Gherla-Cluj-Turda-Turzii Ebene-Huedin, Plünderung und Zerstörung dieser Orte. Der größte Teil der Bevölkerung wird getötet.
Die zweite Kolonne führte nach Nordwesten auf der Dej-Gherla-Zalau-Tunad-Carei Route, dann in Richtung Oradea absteigend. Wie im ersten Fall, werden Zerstörung und Plünderungen die lokale Bevölkerung erschrecken. Die Tataren werden nach ihrem bevorzugten Modell einen Trick spielen, um die Aufmerksamkeit der Ungarn von den Bewegungen ihrer Truppen abzulenken: Sie werden eine große Anzahl von Schaufensterpuppen aus Stroh und Stoff herstellen, die sie zu Pferd aufstellen und am Waldrand platzieren werden, der den Sattel einschränkt, unter der Obhut einiger Soldaten.

Ohne sich der Kampftaktik der Tataren bewusst zu sein, werden Benedikt und die Bochi-Begehungen einen Kavallerie-Schein auf sie organisieren, ohne von der Masse der Truppen unterstützt zu werden. Nach dem Angriff werden sich die Mongolen nach ihrem alten Brauch an den Ort zurückziehen, an dem die Schaufensterpuppen zubereitet wurden. Als Sie sie beobachteten, waren die Ungarn und Rumänen überrascht von der Entstehung dieser neuen Kraft und gerieten in Panik, die Reihen zu brechen. In dieser Situation greifen die Mongolen mit aller Kraft an und erringen einen vollständigen Sieg.
Die Bewohner von Bihor, die nach der tatarischen Pest am Leben bleiben, werden sich in die Wälder und Berge zurückziehen, in die undurchdringlichen Tiefen der Täler. Von Alba Iulia aus eilt Calcan in Eile, ohne auf der Verwüstung der Siedlungen zu bestehen, nach Cenad, um die Verbindung zu Bochetors Armee zu bilden.
Nach der Zerstörung und Verbrennung von Cenad werden sich die Armeen von Bochetor und Calcan mit den Führern treffen, die von Cadan und Buri vor Arad angeführt werden.
Der Angriff auf Arad begann mit der schrecklichen Grausamkeit des Tatars gegenüber ihren Gefangenen. Ungarn, Rumänen, Ruthenen oder Cumanen waren gezwungen, an dem Angriff in erster Linie teilzunehmen. Von den Verteidigern der Festung getötet, von hinten geschoben und von den Tataren getötet, werden die Gefangenen völlig dezimiert. Die Belagerung dauerte eine Woche, Tag und Nacht, bis die Wachgräben der Festung mit Leichen gefüllt waren, die als Brücke benutzt wurden. Die Tataren machten einen letzten Angriff und eroberten die Stadt. Die Bewohner und Verteidiger im Inneren, teilten sie in drei Kategorien: Frauen und Bauern nahmen sie als Sklaven. Die Soldaten entwaffneten sie, entkleideten sie ihrer Kleider und töteten sie alle mit ihren eigenen Schwertern. Von den Frauen wählte jeder Tatar zwei Töchter, die anderen wurden getötet. Die Bauern wurden, nachdem sie sie ausgezogen hatten, alle getötet .
In der Schlacht bei Muhi besiegten die Mongolen unter Batu Khan und Subotai am 11. April 1241 das Heer des  ungarischen Königs Bela IV. Dessen Truppen wurden in einer Wagenburg am westlichen Ufer des Sajo eingeschlossen und nahezu vollständig vernichtet, einschließlich eines Großteils der weltlichen und kirchlichen Führungsschicht. Mit einem Reiterheer von 150.000 Mann, die bis zu 500.000 Pferde mit sich führten, hatte Batu Khan zunächst die russischen Städte erobert. Bélas Reich, besonders die Landbevölkerung, litt bis 1242 unter den Verheerungen des „Tatarensturms“. Nicht nur das ungarische Heer, sondern das gesamte Königreich schien vernichtet, die Geschichtsschreibung spricht vom „Zusammenbruch“ Ungarns. Große Teile der Bevölkerung Ungarns wurden versklavt und in Todesmärschen deportiert, sofern sie sich nicht hungernd in die Sümpfe oder in jene wenigen befestigten Städte flüchten konnten, die den mongolischen Belagerern standhalten und Schutz zu bieten vermochten. Die Zahl der Getöteten übersteigt, den Chroniken zufolge, 50.000 Menschen, Ungarn, Sachsen und Rumäner. Das Verdienst der Niederlage der ungarischen Armee ist ganz dem tatarischen Generals Subotai zuzuschreiben. Die unmittelbare politische Folge der "Tatarischen Invasion" war die Abschaffung der Cuman-Herrschaft von Moldawien und der Walachei, die Beseitigung der ungarischen Herrschaft über Siebenbürgen und die Verabschiedung der ungarischen Herrschaft in Siebenbürgen, für die Zeit eines ganzen Jahrhunderts, von 1242 bis 1342".

Mit diesem Ersten Mongolen/Tatarensturm ist auch die Gegend um unserem Heimatort Sanktmartin/Szent Martony Puszta wahrscheinlich zum ersten Mal vernichtet worden.

   

Die Versklavung der Siebenbürger Sachsen  Ögedei Groß Khan         Batu Khan

Ögedei Khan 1186 oder 1189; †  11 Dezember 1241 war der dritte Sohn Dschingis Khans. Er regierte nach dem Tod seines Vaters als zweiter Groß Khan das Mongolenreich von 1229 bis 1241. Sein Tod am 11. Dezember 1241 führte auch zu dem für Europa überraschenden Abbruch der dortigen Eroberungen  Batu Khans. Den Augenzeugenberichten und Klageliedern jener Zeit blieb die rationale Ebene verschlossen, sie überhöhten die erlebten Schrecken ins Unermessliche. So schrieb Rogerius von Torre Maggiore: „Sie, die Tataren, berauschten sich am Gemetzel und brieten in ihrer Wut gegen sie lebende Menschen wie Schweine zu Tode.“ In diesem Klagelied blieb die Verzerrung der Tataren als blutrünstige Kannibalen die Ausnahme, es zeichnete sich ansonsten durch die genaue Beschreibung eines Augenzeugen aus. Doch auch die drastische Erzählung dessen, was tatsächlich passierte, bekam apokalyptische Züge: „Denn auf Feldern und Wegen lagen die Leichen von zahlreichen Gefallenen, hier enthauptet, dort verstreut in Dörfern und in Kirchen eingeäschert, wohin sie vergebens geflohen waren. Diese schrecklichen Leichenhaufen bedeckten die Straßen über eine Entfernung von zwei Tagesreisen, die Erde war dort ganz vom Blut gerötet und die Leichen lagen so zahlreich am Boden, wie sich Rinder, Schafe und Schweine an Weidestellen in der Wüste und Steine zu Hauf in Steinbrüchen sammeln. Das Wasser barg die Leichen der Ertrunkenen. Sie dienten Fischen, Würmern und Wasservögeln zum Fraß. Die Erde wurde zum Eigentum der Leiber, die durch vergiftete Lanzen, Schwerter und Pfeile gefällt worden waren; blutgierige Vögel und gefräßige Bestien, ob Haustiere oder wilde, verschlangen die Leichen bis auf die Knochen. Das Feuer verzehrte jene Toten, die in Kirchen und Dörfern verbrannten. Manchmal löschte das Fett, das bei den Verbrennungen zutage trat, das Feuer.“

Die Tataren Einfälle in Siebenbürgen dauerte noch Jahrhunderte. Man versteckte sich vor ihnen in Wälder und Berge. In unserer Gegend um der Szent Martony Puszta gab es weder Wälder noch Berge, nur die unendliche Weite der Puszta. Um hier leben zu können musste man sich verschanzen. Dazu errichteten die Menschen auf der Szent Martony Puszta eine Motte. Eine Motte ist ein vorwiegend in Holzbauweise errichteter  mittelalterlicher Burgtyp, dessen Hauptmerkmal ein künstlich angelegter Erdhügel mit einem meist turmförmigen Gebäude ist. Die überlieferte lateinische Bezeichnung dafür ist mota.   Später übernahm man die Bezeichnung „Motte“ aus dem Französischen, die im heutigen deutschen Sprachgebrauch sowohl den Erdhügel als auch  pars pro toto die Burganlage als Ganzes bezeichnet. In Österreich wird der Burgtyp auch als Hausberg bzw. Hausberganlage bezeichnet.

So ähnlich konnte die „Tänzer Motte“ ausgesehen haben.

Die Kern Burg besteht aus dem künstlich errichteten Erdhügel, also aus der Motte im engeren, eigentlichen Sinne, und den darauf errichteten Bauten.
Der Erdhügel
In Niederungslagen wurde bei der Anlage der Kern Burg ein Ringgraben ausgehoben und der Grabenaushub in der Mitte aufgeschichtet. Die so entstehende Motte konnte mit weiterem herbeitransportierten Erdmaterial erhöht werden, in manchen Fällen fand eine solche Erhöhung erst in einer späteren Bauphase statt. Die Motten werden anhand der dabei erreichten Höhe des Hügels kategorisiert, ab einer Höhe von fünf Metern spricht man von einer Hochmotte. Eine genauere Untergliederung unterscheidet drei Kategorien:
Großmotten über zehn Meter Höhe
Motten von fünf bis zehn Meter Höhe (die Mehrzahl der erhaltenen
Hügel fällt in diese Kategorie)
Kleinmotten unter fünf Meter Höhe
Die Bauzeiten konnten bei einfachen Anlagen sehr kurz sein: eine kleine Turmhügelburg war nach Quellenangaben in etwa 10 Tagen bezugsfertig. Die Baumaterialien Holz und Erde waren überall schnell verfügbar und konnten rasch verarbeitet werden. Beim Grundriss ist eine kreisrunde Form für die Motte charakteristisch, der sich darüber erhebende Erdhügel hat meist die Form eines Kegelstumpfs oder ist konvex gewölbt. Die Hänge sind relativ steil und mittels Grassoden gegen Erosion geschützt. Bei kleineren Turmhügelburgen wird die Plattform oft auch nur von einem einfachen Weidenflechtzaun umgeben, der passiven Schutz vor Eindringlingen bot. Auch am Fuß konnte die Motte von einer Palisade oder einer hölzernen Stützwand umgeben sein, die das Erdwerk gegen den Wassergraben abstützte. Bei der Mehrzahl der Motten sind nur noch die Turmhügel erhalten. Die Bewohner von der Szent Martony Puszta haben von der in der nähe dieses Gehöftes erbaute Tenkar-Motte (von unseren Vorfahren Tänzer-Hichl genannt) sicherlich in Not, oft gebrauch gemacht.

 Die Mitte der Hügelplattform wird von einem Hauptgebäude eingenommen, oft handelt es sich dabei um einen  Turm. War er als Wohnturm eingerichtet, enthielt er die Wohnung des Herrn und konnte, je nach dessen Stellung, entsprechend aufwändig und repräsentativ ausgestaltet sein. Abgeschlossen wurde der Turm wohl meist von einer offenen oder überdachten Wehrplattform. Bei der Tänzer und Tataren Motten in Sanktmartin, war der Turm, wie die übrigen Bauten dieser Burg-form, meist vollständig aus Holz in Block oder Ständerbauweise.  Bei dem Bauwerk auf der Motte musste es sich nicht zwangsläufig um einen Turm handeln, sondern der Platz konnte auch von einem Haus eingenommen worden sein. Die Fläche vor der Motte umfasst meist eine deutlich größere Fläche als die Hügelplattform der Kernburg. Sie bot Platz für Wirtschaftsgebäude, Gesindewohnungen, Scheunen, Vieh- und Pferdeställe, die fester Bestandteil des bäuerlichen Betriebs einer mittelalterlichen Burg waren. In einigen Fällen kommen Motten ohne Vorflächen vor. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn das Hügelplateau der Kernburg so geräumig ist, dass alle Wirtschaftsgebäude, die normalerweise in der Vorburg untergebracht sind. In anderen Fällen konnte der zugehörige Wirtschaftshof von der Motte weiter entfernt sein, so dass er mit dieser keine bauliche Einheit bildete. Das betraf die Tänzer und Tataren Motte. Die ersten Motten entstanden zwischen 900 und 1000 n. Chr., die meisten der Anlagen entstanden im 11.–12. Jahrhundert, die auf der ungarischen Puszta nach dem Tatarensturm. Die Sanktmartiner Motten waren “Reine Motten“ Das hängt vor allem damit zusammen, dass die „reine“ Motte in Landschaften existiert, die wenig bis gar keine Erhebungen aufweisen. Das gemeinsame Merkmal aller als „Reine Motten“ benannten Anlagen ist also die Tatsache, dass sie mit Hilfe von Erdbewegungen aus dem Gelände herausgeschnitten sind, wobei das für eine Motte bestimmende Kennzeichen – künstlich erhöhtes Mittelwerk und symmetrischer Grundriss – nicht immer gegeben sein muss. Die Steinarmut in der Puszta hat dazu beigetragen, dass ehemalige Erdaufbauten mit den Holzpalisaden oft gänzlich verschwunden sind, so dass man früher dachte, das die Hügel nur aufgeschüttete Erdhügel währen und aus dieser Unwissenheit entstanden die Sanktmartiner Sagen.

 

So könnten unsere Tänzer und Tataren Motten (Hügel) ausgesehen haben.

 

Bernhard Fackelmann.

Samatimer HOG.

 

 

Liebe Landsleute,

Pfingsten ist für Christen das Fest der Sendung des Heiligen Geistes und gilt als Geburtsfest der Kirche. Damit endet die 50-tägige Osterzeit. 
Pfingsten‚ kommt aus dem griechischen und bedeutet „fünfzigster Tag“. Der Pfingstsonntag ist der 50. Tag der Osterzeit, also 49 Tage nach dem Ostersonntag und wird von den Gläubigen als die Entsendung des Heiligen Geistes gefeiert.
Wir, die Sanktmartiner Erlebnisgeneration, erinnern uns noch alle an die Feierlichkeiten der Hl. Messe, die imposante Lieder des Chores, die Förmlichkeit und Gemeinsamkeit jener Stunde. Inzwischen hat sich vieles geändert, in Zeiten der Corona Pandemie noch mehr, die Feier in der Kirche reduziert, viele Gläubige aus Furcht vor Ansteckung bleiben der Messe fern. Auch wenn die Pandemie gelockert wurde steckt sie tief in uns drin und wann sie endet liegt noch Monate vor uns. Wir, die Nachkriegsgeneration, haben noch nie einen solchen Tiefstand in unserem Leben erlebt, viele meiden die Öffentlichkeit, so mancher seine Arbeit und die Zuversicht in die Zukunft. Deshalb sind Gute Wünsche in Zeiten des Coronavirus auszusprechen und kann in der Herausforderung sozialer Distanzierung wieder etwas Nähe zu anderen Menschen bringen. Denken wir daran, dass es bestimmt bald auch wieder andere Zeiten geben wird, wo man vielleicht besonders die Risikogruppen schützt und das normale Leben langsam wieder hochgefahren werden kann! Dieses Licht am Ende des Tunnels dürfen wir uns vergegenwärtigen, als Hoffnungsschimmer am Horizont. Im tiefsten Tal kann man schon das Licht am Horizont sehen. Durchhalten, Lösungen finden, Hoffnung schöpfen und am Ende, Aufatmen! Arbeit ist das halbe Leben – aber nicht die wichtige Hälfte. Wichtiger ist, dass alle, die uns am Herzen liegen, in dieser Zeit gesund und sicher sind. So manche werden wegen des Coronavirus ihre Arbeit verlieren, vertrauen wir darauf, dass wir die nächsten Monate überbrücken und es schaffen, dass uns Hilfe zuteil wird um diese schwere finanzielle Zeit überstehen werden. Vielleicht gibt uns diese schwere Zeit, die wir mit der Corona-Krise erleben, wieder ein Bewusstsein für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.
Jedem Menschen stehen im Leben Herausforderungen bevor, die nur bewältigt werden können, wenn alle am selben Strang ziehen. Bei uns ist es kein Krieg, kein Erdbeben, keine Pest und kein Tsunami, sondern “nur” das Coronavirus. Diese Zeit, in der wir uns gegen die Verbreitung des Coronavirus durch physische soziale Distanz schützen müssen, stellt uns vor ganz besondere Herausforderungen. Die Tatsache, dass die Distanz einem großen, guten Zweck dient, macht für uns die Sache etwas einfacher. Dennoch kann für uns ein erzwungener Rückzug schwierig sein. Ermutigende und Hoffnung spendende Sprüche können uns auf unserem Lebensweg Licht ins Dunkel bringen. Manchmal sind es liebe Menschen um uns herum, die uns einen Mut-Mach-Spruch an die Hand geben, einfach weil sie es gut mit uns meinen. Augen zu und durch, dass könnte man mit diesem Spruch assoziieren: Durchhalten und nicht aufgeben, irgendwann kommt Land in Sicht, und wir können über uns selber erstaunt und auf uns stolz sein, dass wir aus unserer Sicht Unmögliches geschafft haben. Ich weiß nicht, wie es vielen geht, aber bei mir beginnt sich langsam Hoffnung abzuzeichnen. Ich bin zuversichtlich, dass nach den Kontakteinschränkungen, wenn wir es gemeinsam geschafft haben, die Kurve der Infizierten nach unten abzubiegen, gute Lösungen finden werden, um das normale Leben langsam wieder hochzufahren.

Ein Neubeginn ist immer möglich. Jeder Tag lädt uns dazu ein: Wir dürfen den Mut nicht verlieren, immer wieder neu zu beginnen und plötzlich weißt du: „Es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen“.

Die Samatimer Home Page steht in dieser Zeit allen zu Verfügung mit Neuigkeiten, Dokumentationen, Geburtstage und Verstorbene. Sie ist nun ein offenes Fenster in dem wir reinschauen, lesen und weiter kommunizieren. Die letzte Dokumentation „Die Schlacht von 1565 bei der Szent Martony Puszta“ haben in einer Woche über 1250 Personen angeklickt. 146 Kommentare von Sanktmartiner und Banater sind eingegangen, was wiederum das große Interesse vieler an unserer Geschichte zeigt. Wie es mit unserer Gemeinschaft weiter geht berichten wir zur gegebener Zeit.

Der Vorstand der Samatimer HOG
wünscht allen Landsleuten frohe und gesegnete Pfingsttage und vor allem „Bleibt Gesund“.

Bernhard Fackelmann
Vorsitzender.

 

 

Liebe Landsleute,

 in schweren Zeiten wie diese, beginnen wir wieder mehr über uns und die Gemeinschaft nachzudenken. Vielerorts wird streng getrennt, was eigentlich zusammengehört: Familien, Generationen, Volksgruppen und Gemeinschaften. Zum ersten Mal in der Geschichte des christlichen Abendlandes wird es den meisten Europäern verwehrt sein, zu den Ostergottesdiensten zusammenzuströmen. Mehr Menschen als sonst werden ausgerechnet an diesem höchsten christlichen Fest, dass an die Auferstehung erinnert, einsam sein oder unter Trennungen leiden. In den letzten 30 Jahren, nach dem Fall des Kommunismus, hat sich manches in unserer alten Heimat verändert. Wir können ohne jede Grenzkontrolle wieder nach Banat/Sanktmartin reisen, um dort den Wurzeln unserer Vorfahren nachzuspüren, Erinnerungen aufzufrischen, neue Freundschaften und Netzwerke zu beginnen, unsere einzigartige Landschaft wiederzuentdecken, oder im Fall der Jüngeren die Kultur der alten Heimat neu zu entdecken, sowie an Wallfahrten und Heimattreffen in der Heimat teilzunehmen. Das alles ist derzeit nicht möglich. Niemand kann ernsthaft bestreiten, dass es nötig ist, für die Überwindung der akuten Krise Opfer zu bringen. Gerade deshalb ist es aber auch unverzichtbar, unsere Gemeinschaft noch intensiver zu leben als bisher. Heimatpriester im Banat und auch hier bei uns, veranstalten Gottesdienste mit leeren Kirchen. Die uns bekannten und gern besuchten Karfreitagsmessen bleiben dieses Jahr leer. Auch das Färben der Ostereier in der Großfamilie ist leider nicht möglich. Unser wichtigstes Instrument, um den Zusammenhalt der Volksgruppe aufrecht zu erhalten, ist die Samatimer Homepage und die Banater Post, die jede zweite Woche über die reiche Kultur und das vielfältige Leben unserer Volksgruppe hier und in der alten Heimat berichtet, aber auch über grenzüberschreitende Projekte, geschichtliche und heimatpolitische Tatsachen sowie über vieles Vergnügliche. Weil der Heimattag an Pfingsten in Ulm nicht stattfinden kann, sind diese Informationen unverzichtbar, um über alles Wesentliche und Interessante zu unterrichten sowie nach außen hin unsere kraftvolle Stimme zu sein. Selbstverständlich werden wir Euch weiterhin auf unserer Homepage über die neuesten Ereignisse informieren. Es gibt aber Licht am Ende des Tunnels. Wenn es möglich ist, werden wir am 22. August unsere Wallfahrt nach 14. Heiligen organisieren und Euch rechtzeitig informieren. Auch einen Samatimer Owad im November, wenn möglich, ist geplant. Für Pfingsten nächsten Jahres ist dann wieder ein großes und buntes Samatimer Heimattreffen in Augsburg geplant. Entscheidend auf dieser Wegstrecke wird aber sein, dass wir den Mut und den Zusammenhalt nicht verlieren. Dankenswerterweise haben etliche unserer Amtsträger schon damit begonnen, Tag für Tag einige ihrer Mitglieder anzurufen und das persönliche Gespräch zu suchen, denn viele brauchen, gerade jetzt, einen aufmunternden Zuspruch. Wir alle sollten es ihnen gleichtun, denn der Unterschied zwischen einer Institution und den Samatimer Landsleuten ist die Gemeinschaft.

Liebe Landsleute, Ostern steht vor der Tür, das Fest der Wiederauferstehung Christi. Möge Euch das österliche Licht leuchten!

Der Vorstand der Samatimer HOG wünscht Ihnen und Ihren Familien frohe Ostern, Gesundheit und Gottes Segen.

 

Bernhard Fackelmann

Vorsitzender der Samatimer HOG

Die Schlacht von 1565 bei der Szentmartony Puszta

 455 Jahre seit der Schlacht um die Burg Gyula auf dem Territorium unserer Heimatgemeinde Sanktmartin im Mai 1565. Immer wieder fragt man sich: Warum sind unsere Vorfahren ausgewandert, warum haben sie Ihre Heimat verlassen, warum hat Harruckern sie nach Ungarn geholt. Die Antwort finden wir in unserer Vor-Heimat Geschichte. Unser Heimatort Sanktmartin wurde zum ersten Mal auf einer Landkarte in der Festung Gyula aus der Zeit der Könige der Arpaden erwähnt. Arpad (845; † um 907), war der Sohn des Fürsten Almos und Großfürst der vereinten Magyaren Stämme, die führende Gestalt nach der ungarischen Landnahme und Begründer der Arpaden--Dynastie. Seine siebenhundert jährige Geschichte liegt im Dunkeln, da uns außer dem Namensort jedwelcher Daten fehlen. Lange glaubten wir Sanktmartiner, dass mit der Einwanderung unserer Vorfahren 1722-1724 das Dorf und der Name entstand. Auch wurde der erste Platz der Ansiedlung auf die Krautäcker am Schimandamer Weg, links nach dem Kreuz, als Dorf bezeichnet. Der Grund: bei Feldarbeiten auf jenen Äckern wurden Tonscherben gefunden, die als Festlegung einer solchen Siedlung unserer Vorfahren bestätigen sollte. Man glaubte auch, dass 30 Jahre nach der Ansiedlung, das Dorf auf dem heuteigen Platz erbaut wurde, da es jährlich im Frühling Überschwemmungen gab und man so zur Umsiedlung gezwungen wurde. Die Daten in unserer Historia Domus und den Karten der Harruckern zeigt uns aber ein ganz anderes Bild. Auf dem Krautäckern am Schimandamer Weg lag einst ein Gehöft mit Namen Szent Martony Puszta. Puszta nennt man jene Öde, vegetationsarme Ebene zwischen Donau und Theiß, Marosch und Kreisch die als westlicher Ausläufer der eurasischen Steppe gilt. Der Name leitet sich vom altslawischen Wort „pust“ ab, was so viel wie „öde“, „wüst“, „leer“ (rumänisch-pustuşag) bedeutet. In diesem Sinne kann die Ableitung „Puszta“ mit „Einöde übersetzt werden. Also ein Einöd Bauernhof. Der Begriff kam auf, als sich die Bevölkerung während der Türkenherschaft in die Städte zurückzog und das Land verödete. Später wurden wieder einzelne Hofstellen gegründet, die zuerst wegen der regelmäßigen Überflutungen nur temporär bewirtschaftet wurden. Diese Bezeichnung passt zu den Krautäcker, die regelmäßig überschwämt wurden. Die Szent Martony Puszta bestand aus mehreren Häusern aus Lehm gestampft und mit Rohr gedeckt, aus Ställen für Pferde, Kühe, Schweine, Schafe und Federvieh auf dem 20-30 Menschen lebten.  Weithin sichtbare Ziehbrunnen, Rinder und Schafe bestimmten die einzigartige Landschaft. Vor dem Gehöft öffnete sich bis zur Burg Gyula die ungarische Puszta, die spätere Hutweide,  ie im Frühling durch die nahegelegene Kreisch überflutet war und auf der sich tausende Wasservögel tummelten. Im Sommer kann es sehr heiß und im Winter bitterkalt werden. Nach Trockenheit kann es zu Staubstürmen kommen, nach ergiebigen Regenfällen auch zu Überschwemmungen ganzer Landstriche, aus denen dann das Gehöft wie eine Insel aus einem Meer herausragte. Die Puszta ist der westlichste Ausläufer einer eurasischen  Vegetationszone, die sich von hier – mit kleinen Unterbrechungen z. B. durch die Karpaten und den Ural – bis in die Mongolei erstreckt. Nach neuesten Erkenntnissen entstand die Puszta als  Waldsteppe vor über 35.000 Jahren, verwandelte sich vor über 8000 Jahren allmählich in eine Grassteppe und breitete sich in den letzten 3000 Jahren durch menschliche Einwirkung als Kultursteppe bzw. Sekundärsteppe schrittweise aus, wobei die Zeit zwischen dem 14. und dem 18. Jahrhundert Bedeutung hat. Die Vielfalt der Pflanzen und Tierwelt in der Szent Martony Puszta ist einzigartig. Auf Ihr herrscht eine große Weite bzw. eine große Steppe, die hin und wieder durch Hecken oder eine ausgetrocknete Bachsenke unterbrochen wird. Die Szent Martony Puszta  war ein Weideland mit spärlicher Vegetation, die nur als Viehweide genutzt werden konnte. Bis in der heutigen Zeit wächst auf der Hutweide nur Gras, die als Weide für die Tiere genutzt wurde.

Der Weg von Schimand nach Sanktmartin. Links lag einst die Szent Martony Puszta, rechts die Hutweide, eine Verlängerung der weiten ungarischen Puszta.

 

Bilder von Puszta Gehöften wie die der Szent Martony Puszta und Bilder von der Hutweide und Krautäcker wo vor der Schlacht um Gyula 1565 die Szent Martony Puszta lag.

1514 erstickte Zápolya den großen Bauernaufstand unter Führung von Gyorgy Dozsa gegen die Grundherrschaft des Adels und die Erbuntertänigkeit der Bauern. Auf Zápolyas Geheiß wurde der Rebellenführer György Dozsa als „Bauernkönig“ verhöhnt, gefoltert und unter entsetzlichen Qualen langsam zu Tode gebracht. Nun war Zápolya beim Landadel, dessen Tyrannei die Bauernschaft zur Revolte getrieben hatte, als Retter aus der Gefahr beliebter denn je zuvor. Während Ungarn 1514 durch den Bauernaufstand  des György Dozsa und dessen Niederschlagung seine für den Kampf gegen die Osmanen benötigten Verteidigungskräfte geschwächt hatte, hatten die Osmanen 1521 ihr Reich durch die  Eroberung Belgrads in nordwestliche Richtung erweitert. Nun war der Weg nach Westen für sie frei. Vor Ihnen stand nur das kleine Herr der Ungarn. In der Schlacht bei Mohács erlitt das Heer des  Königreiches Ungarn unter König Ludwig II. am 29. August 1626 gegen die osmanische Armee unter  Süleyman I. bei Mohacs in Südungarn eine vernichtende Niederlage und Ungarn über 170 Jahre unter Türkischer Herrschaft. Vor Mohács stellten die Magyaren rund 75 Prozent bis 80 Prozent der auf 3,5 bis vier Millionen geschätzten Gesamtbevölkerung. Um 1600 schätzte man sie aber nur mehr auf etwa 2,5 Millionen. Nach dem Rückzug der Türken betrug die geschätzte Einwohnerzahl rund vier Millionen; dass heißt, um 1720 hat sie den spätmittelalterlichen Stand knapp überschritten. Die ständige Flucht von Serben nordwärts und Slowaken südwärts sowie der massive Zustrom von Rumänen aus der Walachei, verringerten den ungarischen Anteil an der Gesamtbevölkerung auf rund die Hälfte. Allein 1690/1691 wurden rund 200.000 serbische Flüchtlinge vor einer türkischen Gegenoffensive auf Anordnung Kaiser Leopolds in Ungarn aufgenommen. Wenn man noch die bewusste, großangelegte Ansiedlung von Deutschen und Slawen im 18. Jahrhundert vorgreifend erwähnt, so ist es nicht überraschend, dass die Volkszählung von 1787 bei einer Einwohnerzahl von 8,5 Millionen einen ungarischen Anteil von lediglich 39 Prozent aufwies. Hinter diesen trockenen Zahlen verbirgt sich eine tragische nationale Entwicklung. Diese Tragödie zeigt auch heute das Verhalten der Ungarn gegenüber von Zuzug Moslemischer Asylanten.
Weite Teile Ungarns, im Norden und Osten, bleiben noch Jahrzehnte frei. Nach der Eroberung der Festung Temesvar und Lippa war nun der Weg frei auch die Festung Gyula zu erobern.

    

Oben: die Schlacht von Mohacs 1526
Unten links: König Ludwig II, der in der Schlacht von Mohacs ums Leben kam.
Unten Mitte: Suleyman der Prächtige; Er war einer der mächtigsten Herrscher
seiner Zeit und wird in der Türkei bis heute verehrt: Süleyman der Prächtige
führte das Reich auf den Gipfel seiner Geschichte und starb bei der Belagerung der Festung Szigetvar 1566 in Südungarn, Bild unten rechts

Mit dem Fall der Festung Gyula im Jahre 1566 ist wahrscheinlich auch das Gehöft Szent Martony Puszta zugrunde gegangen. Dem starken Widerstand dieser Festung ist es jedenfalls zu verdanken, dass die Macht der Türken erst Jahrzehnte nach der Schlacht bei Mohacs 1526 sich in Richtung Nordosten ausbreiten konnte. Als nach dieser Schlacht, die vor Gyula gelegene Festung Lippa und Temesvar von den Türken zu Fall gebracht wurden, hatte die Schlüsselstellung unserer Gegend die Festung Gyula inne. Die feindlichen Verhältnisse zwischen dem Siebenbürgen Regenten und dem kaiserlichen Haus der Habsburger führten aber alsbald den Fall der Festung Gyula herbei. Nachdem der Gegenspieler der Habsburger, Janos Zsigmond, sich der türkischen Hilfe versicherte, unterbrach er im Frühjahr 1565 die Verhandlungen mit dem Kaiser Maximilian II. Noch im Mai desselben Jahres entsandte er an der Spitze einer Reiterschar den Siebenbürger Gregor Bethlen nach Temesvar zum Pascha Hassan der Türken. Bethlen hatte den Auftrag, gemeinsam mit den Türken die ganze Gegend von Gyula zu besetzen und sich ihm schließlich zu unterwerfen. Gregor Bethlen führte die Türken geradewegs in das Komitat Zarand, wo sich die Güter seiner Vorfahren befanden. Kämpfe der Türken mit den ungarischen Truppen fanden auf den Gütern unserer Heimatgemeinde 1565 statt. Der Ort wo die Schlacht war, ist die Hutweide der Gemeinde, wenige Meter wo heute der Doppelbrunnen steht, gleich an dem dortigen Stück Feld. Viele von uns erinnern sich, dass man in den 1960-er Jahren Lehmerde für die Häuser entnahm und dabei Knochen und Krummsäbel zum Vorschein kamen. Es ist ein Massengrab von osmanischen Soldaten. Die Festung Gyula selbst konnten die Türken erst im Jahre 1566 einnehmen. Nach einer 8-wöchigen Belagerung ergaben sich die Verteidiger unter László Kerecsényi unter der Bedingung des freien Abzugs den türkischen Angreifern. Als sie die Tore öffneten und herauskamen wurden sie jedoch niedergemetzelt. Die Türken machten danach aus Gyula einen Regierungssitz. Während den osmanischen Angriffen mussten sich auch die Verteidiger der Burg 1566 gegen 32.000 türkische Belagerer zur Wehr setzen. Zwei Monate hielt die Belagerung stand, bevor sich die letzten Ungarn ergaben und trotz des Versprechens freies Geleit zu erhalten von den Osmanen kaltblütig abgeschlachtet wurden.

 

Die Szent Martony Puszta stand auf den späteren Krautäckern auf der oberen Karte auf der Gemarkung Gauleta siehe Via Şimandan Mitte/unten /rechts und gegenüber der Pascuum Szt. Martonium.

Die Bilanz der Türkenzeit im zentralen Ungarn und auch im Banat war ein vollständiges Ausbluten ganzer Landstriche. Der großflächige Ruin erstreckt sich Mitte des 17. Jahrhunderts in den türkisch besetzten Gebieten auf 90 Prozent der Ebenen, auf zwei Drittel des Getreideackerlandes und auf die Hälfte der Viehhaltung. Aber damit nicht genug. Nach der Besetzung Süd- und Mittelungarns verwüsteten die Truppen des Sultans nicht nur in den "großen" Kriegen alles, was ihnen in den Weg kam, sondern auch in den ständigen Kleinkriegen der sogenannten Friedenszeiten, bis hin zu ganzen Dörfern. Besonders gefürchtet waren die Krimtataren, die als Hilfstruppen durch Ungarn und Siebenbürgen zogen und überall eine Blutspur hinterließen. Die türkischen Eroberer teilten das Land in fünf Paschaliks unter der Kontrolle des Beglerbeg, des Paschas von Buda, auf Eigentümer des gesamten "Khas" Güter "für Allah", also direkt, verwaltete. Während die staatlichen Güter eine gewisse Rechtssicherheit und Beständigkeit in der Verwaltung boten und den Bauern oft weniger Belastungen als bei den früheren Grundherren ertragen mussten, wollten die türkischen Berufssoldaten und Beamten aus den als Lehen auf Widerruf zugeteilten Gütern in möglichst kurzer Zeit einen möglichst hohen Gewinn herauspressen. Die Folge war eine rücksichtslose Ausbeutung und damit korrespondierend die Landflucht der Bauern. Das wird auch unser Lehnsherr J. G. Harruckern auf seinen Gütern erfahren, wonach hunderte Leibeigene flohen und er aus diesem heraus Kolonisten aus Franken ansiedelte. Darüber hinaus machten die Türken keinen Unterschied zwischen Adligen und Leibeigenen. Nicht nur die einfachen Soldaten auf dem Schlachtfeld, sondern auch die loyalen Bauern konnten den Adelsbrief relativ leicht bekommen. Zunächst war die Erhebung in den Adelsstand oft ein leeres Wort und wahrscheinlich deshalb so leicht zu erlangen. Ein starkes Anwachsen der Zahl armer Kleinadliger gab es nämlich nicht nur im Königlichen Ungarn und im Fürstentum Siebenbürgen, sondern auch im türkischen Gebiet.   Die Türken duldeten, dass die Bauern und die Gemeinden dem ungarischen Staat, bzw. ihren abwesenden, weil nämlich rechtzeitig geflüchteten Grundherren Abgaben leisteten und sogar kommunale Projekte und Rechtstreitigkeiten den im königlich-habsburgischen Landesteil amtierenden Komitats Behörden vorlegten. Dass es keine geschlossenen Grenzen gab und dass die Händler, Geistlichen und Prediger ungehindert von einem Herrschaftsgebiet ins andere reisten bzw. zurückkehren konnten, verlieh dem Nationalgefühl und dem Überlebenswillen der Ungarn einen langfristig ungeheuer wichtigen Auftrieb.

Die Szent Martony Puszta stand auf den späteren Krautäckern auf der oberen Karte auf der Gemarkung Gauleta siehe Via Şimandan Mitte/unten /rechts und gegenüber der Pascuum Szt. Martonium. Das wiederum spiegelt sich nach dem österreich-ungarischen Ausgleich 1867 wieder, wo die Ungarn nun alle Nationalitäten zu guten Ungarn erziehen wollten. Was unsere Großeltern damals erlebten ist auch eine Konsequent der 170-jährigen türkischen Besetzung Ungarns.
Nach dem Kampf 1565 auf unserem Sanktmartiner Gebiet blieb nach der Schlacht, auf der damaligen Puszta nichts mehr übrig. Es wurde alles geplündert und verbrannt. Die Tonscherben die man in unserer Zeit fand sind das einzige Überbleibsel aus jener Zeit. Nach Einnahme der Festung durch die Türken begann eine fast 150 jährige Verwüstung, Verödung und Verwilderung der Gegend. Vor der türkischen Besatzung waren im Komitat Zarand insgesamt 1734 Gehöfte. Nach der Befreiung vom Türkenjoch im Jahre 1696 gab es nur noch 50 Gehöfte im ganzen Komitat. Nach schweren Kämpfen ist es bereits im Jahre 1696 gelungen, die Festung der Stadt Gyula von den Türken zu befreien, und diese aus der Umgebung zu verjagen. Erst nach dem Sathmarer Friedensvertrag im Jahre 1711 konnte man mit einer begrenzten Wiederbesiedlung des östlichen Teils der ungarischen Tiefebene langsam beginnen.
Im nachhinein kann man heute sagen, dass durch die türkische Besatzung des Zarander Komitats, die Verwüstung der Gegend durch Untaten der türkischen Paschaliks und Flucht der damaligen Bevölkerung, den Zuzug unserer Vorfahren erst möglich machte.
Das gleiche können in Zukunft Geschichtsschreiber der jetzigen dort lebenden rumänischen Sanktmartiner schreiben, dass durch den II. Weilkrieg und seine Folgen, durch Wegzug der deutschen autochthonen Bevölkerung nach Deutschland, es ihnen gelungen ist eine neue Heimat in Sanktmartin/Sânmartin zu finden.

Bernhard Fackelmann
Vorsitzender der Samatimer HOG


 

Liebe Landsleute,

vom 1.03.2020 - 31.03.2020 sind weitere Spenden in Höhe von 895,00 € eingegangen, so das seit Dezember 2019 bis jetzt eine gesamte Summe in Höhe von 19.359,39 € gespendet wurde. Diese Summe zeigt die Würdigung unserer Arbeit, das große Interesse vieler Sanktmartiner an unserer Heimatgeschichte und den Zusammenhalt vieler in unserer Gemeinschaft. Auch die zurzeit dahin rasende Epidemie wird ein Ende haben. Hoffen wir alle auf ein nächstes Zusammentreffen, wo wir uns gesund wiedersehen.

Der Vorstand bedankt sich bei allen Spendern mit einem herzlichen vergelt‘s Gott.

Bernhard Fackelmann

Vorsitzender der Samatimer HOG.

 

03.03.2020

Durst Josef u. Rosalia

  50,00 €

05.03.2020

Rosenacker Andreas u. Theresia

  50,00 €

06.03.2020

Oniţa Anton u. Juliana

  50,00 €

06.03.2020

Gessner Michael u. Magdalena

  50,00 €

10.05.2020

Nürnberger Adam u. Anna

  50,00 €

11.03.2020

Kilian Georg u. Elisabeth

  50,00 €

11.03.2020

Haras Maria

  15,00 €

13.03.2020

Hoffmann Hildegard

  250,00 €

13.03.2020

Lengyel Attila u. Gertrude

  50,00 €

13.03.2020

Eisenbeil Helmut

  30,00 €

16.03.2020

Haubenreich Anton u. Valy-Dagmar

  50,00 €

19.02.2020

Dr. Dahlia Schmidt

  100,00 €

26.03.2020

Zimmermann Katharina

  50,00 €

26.03.2020    

Seeger Johann u. Barbara

  50,00 €

Summe Insgesamt

  895,00 €

  19.359,39€