Mittwoch, der 27. Januar 2021
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Bethlehem und Geburtskirche

Die christliche Jahreszählung beginnt mit dem Jahr der Geburt  Jesu Christi  und die darauffolgenden Jahre werden oft mit dem Zusatz „nach Christus“, abgekürzt, früher meist lateinisch mit „ anno Domini“. In der ganzen Welt versammeln sich bis heute Millionen Menschen an Heiligabend, dem 24. Dezember, um die bevorstehende Geburt von Jesus Christus zu feiern. Jesus Christus kam  in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember im Jahre 0 zur Welt. Christen auf der ganzen Erde feiern die Geburt des Messias und Sohn Gottes an diesem Datum deshalb traditionell als Weihnachten. Jesus selbst hat seine Lebensgeschichte nie aufgeschrieben. Was wir über ihn zu wissen glauben, basiert auf den vier Evangelien von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes im Neuen Testament, die jeweils aus ihrer Sicht über das Leben Jesu berichten. Nur Lukas (1,26-2,52) und Matthäus (1,18-2,23) erzählen Geschichten aus der Kindheit von Jesus und über seine Geburt. Die bekannte biblische Weihnachtsgeschichte um die Geburt des Sohnes Gottes, die auf diesen beiden Schriften basiert, ist bis heute Grundlage für viele weihnachtliche Bräuche: Sie wird im Krippenspiel im Gottesdienst und in Schulen nachgespielt, zu Weihnachten vorgelesen und in vielen Familien traditionell mit dem Aufstellen einer Weihnachtskrippe nachgestellt. Die Geburtsgeschichte Jesu beginnt im Lukasevangelium damit, dass der damalige Kaiser Augustus zu einer Volkszählung aufruft. Aus diesem Grund geht Joseph mit der hochschwangeren Maria auf die 150 Kilometer lange Reise von Nazareth nach Betlehem. Die Höhle, die die Christen als Geburtsstätte Jesu ansehen, wurde ab dem 2. Jahrhundert verehrt. Kaiser Hadrian errichtete  angeblich 135 ein Adonis Heiligtum über ihr, wahrscheinlich auch, um damit die Jesusverehrung wieder zu unterbinden. Kaiser Konstantin der Große und seine Mutter Helena ließen an der Geburtsstätte eine Memorialkirche mit reichen Mosaikböden errichten, die sie noch vor 335 Jesus Christus weihten. Der Bau war eine fünfschiffige, 27 Meter lange  Basilika mit einem westlich vorgelagerten Atrium und einer polygonalen  Apsis im Osten. Die Apsis war 17 Meter breit und hatte in der Mitte eine vier Meter breite Öffnung, die Einblick in die Geburtsgrotte gewährte. Während andere Kirchenbauten 614 von den gegen das Byzantinisches Reich vorrückenden Persern beschädigt wurden, blieb diese Kirche verschont. Die Basilika ist somit die älteste erhaltene und ununterbrochen genutzte Kirche im Heiligen Land. Die  Kreuzfahrer restaurierten die Kirche 1161-1169 gründlich. 1670 begann die  griechisch-orthodoxe Kirche, die Kirche zu renovieren. Am mutmaßlichen Geburtsort in der Geburtsgrotte wurde exakt auf der Mittelachse der Basilika 1717 von der röm. kath. Kirche ein silberner Stern mit der lateinischen Schrift‚ „Hier wurde Jesus Christus von der Jungfrau Maria geboren“ angebracht. Seine 14 Zacken symbolisieren die 14 Geschlechter im  Stammbaum Jesu.
In der Folge kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Konfessionen über die Verwendung des Gebäudes, sodass der Sultan 1757 eine Regelung festsetzen musste. Der zufolge gehören der Hauptaltar und die rechten Seitenaltäre den Griechen, zwei Seitenaltäre links den Armeniern. Den römischen Katholiken blieben neben dem Dreikönigsaltar und dem Stern unter dem Geburtsaltar nur die Hieronymus-Grotten und der Platz links von der Kirche, wo sie sich eine eigene Kirche bauen durften. Der ganze Kirchenkomplex mitsamt dem zu ihm führenden historischen Pilgerweg wurde vom Welterbe Komitee auf seiner 36. Sitzung am 29. Juni 2012 unter der Bezeichnung  Geburtsstätte Jesu Christi als erster Standort in Palästina in das  UNESCO-Welterbe aufgenommen.
Unser Besuch in Bethlehem am Ort wo Jesus geboren wurde war verbunden mit einem Glücksgefühl aber auch mit Angst, waren wir doch in Palästina einem Land von Terroranschlägen und Unterdrückung, einem Land das seit zwei Jahrtausende von Krieg und Terror heimgesucht wurde.

Bernhard Fackelmann
Vorsitzender der Samatimer Hog