Mittwoch, der 08. Juli 2020
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WALLFAHRTSKIRCHE MARIA IM WEINGARTEN

VOLKACH

Wo der Main den schmalen Höhenrücken der Vogelburg umzieht, liegt am äußersten Bogenscheitel der Flussschleife die Stadt Volkach. 906 wird in einer Urkunde König Ludwigs IV. die Siedlung „Folchaa inferior genannt“, die 889 Kaiser Arnulf der Abtei Fulda geschenkt hatte.

Die Grafen von Castell erwarben später den Ort. Im Jahre 1510 konnte der Bischof von Würzburg die Stadt in seinem Besitz bringen. Ab 1814 gehört Volkach zu Bayern.  1158 wurde  erstmals eine Pfarrei erwähnt. Volkach ist die Urheimat der Sanktmartiner Familie Hack.

Abseits von der Stadt Volkach liegt inmitten der Weinberge die Wallfahrtskirche „Maria im Weingarten“.


Foto: Schöning Verlag, Lübeck

Es wird angenommen, dass die Kirche auf dem Berg, in den frühmittelalterlichen Mauerresten gefunden wurde, die im 10. und 11. Jahrhundert Urpfarrkirche der Siedlungen an der Mainschleife war. Sie war bis ins 15. Jahrhundert Pfarrkirche von Volkach und dem Heiligen Bartholomäus geweiht. Direkt am Main war parallel eine neue Kirche entstanden, die dem Heiligen Georg geweiht war  den Vorgängerbau der heutigen Stadtpfarrkirche von Volkach. Als Volkach das Stadtrecht erhielt, verlagerten sich die Pfarrei sowie das Bartholomäus-Patrozinium von der Bergkirche auf die Talkirche.

 

 Kirche Vordereingang

Der gotische Kirchenneubau, den der Würzburger Fürstbischof Gottfried der IV. Schenk von Limburg zusammen mit einer Marienbruderschaft und Bürgern von Volkach durch den Baumeister Kilian Reuter initierte, wurde der Gottesmutter Maria geweiht.

Fürstbischof Rudolf II. von Scherenberg, dessen Wappen an einer Emporen Stütze angebracht ist vollendete das Werk.

    

DER STATIONSWEG

Ein Stationsweg führte von der Stadt Volkach zur Wallfahrtskirche. Die Inschriften auf den drei erhaltenen Bildstöcken aus dem Jahre 1521 besagen, dass der Weg an der Via Dolorosa in Jerusalem erinnern soll. Er begann am Rathaus - es galt als “Das Haus des Pilatus“ - und endete vor dem Bild der schmerzhaften Mutter in der Bergkirche. Ein aus Kitzingen stammender Bildhauer schuf die Reliefs, die den Einfluss Till Riemenschneiders und Adam Kraffts widerspiegeln. Das Eingangstor von 1732 bekrönt eine Statue des Hl. Johannes von Nepomuk. Die Steinfiguren rechts vom Tor sind Reste des ehemaligen Ölbergs. Die Kirche war das Zentrum einer ausgedehnter Urpfarrei, zu der zahlreiche Orte der Umgebung gehörten.

     

Eingangstor mit Hl. Nepomuk Statue

Für den Innenraum wurde 1499 Meister Ullrich, Maler in Würzburg, mit der Bemalung der Langhausdecke beauftragt. 1521 wurde die Madonna im Rosenkranz bei Tilman Riemenschneider in Auftrag gegeben; 1524 war das Schnitzwerk im Chorbogen aufgehängt.

 

„ Maria im Rosenkranz“ von T. Riemenschneider.

Die lebensgroße Madonnenfigur ist von einem Strahlkranz umgeben und steht auf einer Wolkenkonsole. Mit dem rechten Fuß auf die Sichel des Mondes tretend, entsprechend dem Text der Apokalypse des Johannes….eine Frau umkleidet mit der Sonne, der Mond unter ihren Füßen, auf Ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen. Das Madonnenbild umschließt ein Kranz stilisierter Rosen. Die Medaillons zeigen Szenen aus dem Leben Mariens. Ganz oben die Verkündigung, nach rechts folgend die Begegnung mit Elisabeth, die Geburt Christi, die Anbetung der Könige und den Tod Mariens. Drei Engelpaare  begleiten die Figur der Gottesmutter. Maria trägt auf ihrem linken Arm das aufrecht sitzende Kind. Riemenschneider war Bürgermeister der Stadt Würzburg als er 1521 den Auftrag erhielt so ist es verständlich, dass er manches untergeordnete Beiwerk seinen Gesellen zur Ausführung überließ. 1962 wurde das Bildnis von Kunsträubern gestohlen. Die Räuber denen ein Lösegeld von 100.000 DM bezahlt wurde verrieten sich jedoch später und wurden gefasst.

Die Orgel, ist ein Werk  von Franz Michael Seuffert von 1794, wurde aber im Laufe der Zeit mehrfach verändert.

 

In der Wallfahrtskirche herrscht der spätgotische Stil vor. Hierzu gehören  der eingezogene Chor mit Sterngewölbe, das Maßwerk der Fenster des flachgedeckten Langhauses, dass von Fialen bekrönte Westportal sowie das Südportal mit Konsolen und Baldachinen; diese sollten ursprünglich ganz offensichtlich einmal Figuren beherbergen, die nicht ausgeführt wurden. Die gesamte Anlage ist durch eine Mauer geschützt, die einen idyllischen Garten und zwei Gebäude aus dem Jahre 1732 umgibt.

Seiteneingang

 Haupt und Seitenaltäre

 Gedächtnistafel für Georg Sigmund Zoller von der Hallburg

 

 

Blick von der Wallfahrtskirche auf die Stadt Volkach

 

 

Bernhard Fackelmann

Im Auftrag   Kulturgemeinschaft „Die Sanktmartiner“