Dienstag, der 19. März 2019
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Die Eleker

Die Geschichte unserer Heimatgemeinde Sanktmartin ist mit der in nur 7 km entfernten Elek  in Ungarn eng verbunden. Unsere Vorfahren kamen gemeinsam auf dem Rufe des Freiherrn Johann Georg von Harruckern von Unterfranken ins damalige Ungarn. Viele Einwanderer Familien, Verwandte und Bekannte aus gleichen Dörfern in Franken fanden Ihre neue Heimat, sowohl in Elek als auch in  Sanktmartin.  Bis 1750 war Sanktmartin eine Filiale  der Kirche von Elek. Zwei Jahrhunderte  heirateten Sanktmartiner und Eleker, zogen von einem Ort zum anderen. 1919, nach dem Zerfall der K.u.K. Monarchie, wurde dann hinter den Äckern unserer Gemeinden die Grenze zwischen den beiden Ortschaften gezogen, doch die Grenze blieb noch weit offen. Bei der Volkszählung von 1941 bekannten sich in Elek  5.714 Personen als Deutsche. Noch während des Zweiten Weltkrieges, ab Januar 1945, wurden 1.176 Personen nach Russland zur Zwangsarbeit verschleppt. Sowie schon viele Sanktmartiner, fanden auch 121 Eleker in Russland den Tod.

Gedenkstätte der Verstorbenen Eleker durch die Russland Deportation.

Diese Gedenkstätte wurde 1990 beim ersten Weltfreundschaftstreffen enthüllt und stellt das Mahnmal zur Erinnerung an die Zivildeportation von Elekern nach Krivojrog im Lager „Kaganowitsch“ (Nr. 1405) dar. Das Denkmal wurde vom Bildhauer Bela Mladonyczky geschaffen mit der Inschrift: „Zum Gedenken der im zweiten Weltkrieg Gefallenen, Vermissten und Verschleppten“. Theresia Hofmann, Elekerin aus Deutschland, sprach bewegende Worte: „Unter unmenschlichen Bedingungen haben wir arbeiten müssen. Vor Hunger, bis auf die Knochen abgemagert, schleppten wir uns zur Arbeit. An Leib und Seele gebrochen hat uns nur die Hoffnung auf Rückkehr nach Elek am Leben erhalten. Dass wir inzwischen auch unsere Heimat verloren haben, erfuhren wir aus russischen Zeitungen. Wir sind glücklich, dass wir eine neue Heimat  in Deutschland gefunden haben“.       

„Zehntausende wurden zur Zwangsarbeit verschleppt. Fasst eine Viertelmillion Deutsche wurden gezwungen ihre Heimat zu verlassen, wurden vertrieben. Möge dieses Denkmal heutige und zukünftige Generationen darauf aufmerksam machen, dass es eine Sünde, ein Verbrechen ist, Menschen wegen ihren nationalen, sprachlichen oder religiösen Zugehörigkeit zu verfolgen und ihnen das heilige Recht auf Freiheit, auf freie Selbstbestimmung zu rauben“.                                                                                                                                                  Nach dem zweiten Weltkrieg waren die Siegermächte USA, Sowjetunion, Großbritannien und besonders Frankreich, deutschfeindlich. Dieses hat auch das Schicksal des in Ungarn vorhandenen Deutschtums tragisch beeinflusst. Laut der ungarischen Verordnung 600/1945.ME vom 17. März 1945, sollten auch in Elek Grundbesitz der Landesverräter, Nationalsozialisten, Volksbundmitglieder, Kriegsschuldigen und volksfeindlichen Personen in Beschlag genommen werden. Mit der Verordnung Nr. 12.330/ 1945  ME wurde die Vertreibung der deutschen Bevölkerung Ungarns nach Deutschland öffentlich bekannt gegeben. Aus einer „organisierten Umsiedlung“,  laut ungarischem Staat, wurde dann eine „menschenunwürdige Vertreibung“ organisiert. Am 3. Mai 1946 vermerkt Pfarrer Michael Reibel in der Historia Domus von Elek, dass in jenen April und Maitagen des Jahres 1946 insgesamt 4.761 Eleker „weggebracht“ also nach Deutschland vertrieben wurden. Schätzungen zufolge sind über 6.000 Eleker nach Deutschland gekommen.  

 

Gedenktafel an der Kirche für die 4.761 Vertriebenen Eleker April/Mai 1946

 

„Eleker“

2001 wurde eine Gedenkstätte mit Elekern in Tracht enthüllt. Auch diese erinnert an die schreckliche  Vertreibung im Jahre 1946.

 

Das Denkmal vor der Eleker Kirche

Die guten Beziehungen der Bundesrepublik zu Ungarn in den 70ger und 80ger Jahren hat danach auch die Kontaktpflege zu der Verwandtschaft  in Elek für die in Deutschland lebenden Eleker erleichtert und die Rolle Ungarns bei der Wiedervereinigung hat diesen günstigen Prozess dabei noch schneller gemacht.

1991 war es dann selbstverständlich, dass der damalige Gemeinderat die Eleker in Deutschland um Verzeihung bat, nannte also die kollektive Diskriminierung des Deutschtums als unvertretbar.  

 

Kranzniederlegung

 

Das Denkmal 1924 errichtet für die 96 gefallenen Eleker des Ersten Weltkrieges. Es wurde 1994 durch finanzielle Unterstützung  renoviert. Auf großen Marmorplatten sind jetzt 351 vermisste und gefallene Eleker, Soldaten des zweiten Weltkrieges, sowie die 27 Frauen und 94 Männer, die in Krivoirog ums Leben kamen, für immer verewigt.

 

Die Namen der Verstorbenen Eleker

 

Harruckern Denkmal

Zu Ehren unseres gemeinsamen Wohltäters, Johann Georg von Harruckern, trägt das Eleker Gymnasium seinen Namen. Nach 1945 sollte jede Erinnerung an die deutsche Bevölkerung  getilgt werden. Als erstes Zeichen einer neuen völkervereinenden Freundschaft wurde nun der Hauptplatz in Elek vom Rat der Gemeinde In „Harruckern Platz“  unbenannt. In seiner Laudatio schloss Josef Schneider/Crailsheim, mit folgenden Worten: „Mit diesem Festakt der Widmung des Platzes zu Ehren von Johann Georg von Harruckern, dem Neubesiedler der Gemeinde Elek, haben Sie, Herr Bürgermeister Szanto mit ihrem Gemeinderat, die verletzte Ehre einer geschichtlichen Persönlichkeit wiederhergestellt. Die mehr als 4.000 vertriebenen Elker  Bürgerinnen und Bürger, die 1946 ihrer sämtlichen  Habe  enteignet  und vertrieben wurden, möchten in diesem Festakt auch ein sichtbares Zeichen ihrer Rehabilitierung sehen“.

 

Haus Leimen in Elek

Zu Ehren der ehemaliger Landsleuten, hat die Gemeinde Elek ein „Haus Leimen“, den Gästen aus Deutschland, die zu meist in der Gegend um Leimen wohnen, zur Verfügung gestellt.

 

Haus Leimen Innenansich


                                     Eleker Trachten  beim Weltheimattreffen  in der alten Heimat

 


 

Kranzniederlegung am  Ehrendenkmal 1.-3. August 2008: 1.  Bürgermeisterin Irmgard Kramer.

 

Prost auf ein Neues!  Mi; 1. Bürgermeisterin Irmgard Kramer, Re: Stadträtin  und Partnerschaftsbeauftragte der Stadt Gerolzhofen Hannelore Hippeli.

Die Eleker und wir die Sanktmartiner haben die gleiche Geschichte, Einwanderung aus den gleichen Orten in Franken, den gleichen Lehnsherren, die Harruckern, den österreich-ungarischen Ausgleich mit der Unterdrückung  unserer nationalen Identität, den Ersten und Zweiten Weltkrieg, Russlanddeportation. Nur die Vertreibung blieb uns 1946 erspart. Die nationale Unterdrückung des kommunistischen Regimes in Rumänien hat uns aber später gezwungen auch nach Deutschland auszuwandern, was mit  einer Vertreibung, wie bei den Elekern, gleichzustellen ist, denn auch wir haben nicht nur Heimat, sondern auch Hab und Gut, wie die Eleker verloren. Dass der rumänische Staat später uns rehabilitiert und sich entschuldigte ist auch bekannt. Im Gegensatz zu uns  kommen die Eleker aber in ihre alte Heimat, in der nicht nur der Ort und die vor ihnen da waren geehrt werden, nein die  unzähligen Mahn- und Denkmäler  sowie die Entschuldigung jedes neu eingesetzten Bürgermeisters in Elek zeigt, dass es den neuen Elekern um das Ungerechte, das einst  geschehen war ernst ist. Elek ist nicht wie Sanktmartin  ein Ort des Zerfalles, sondern  trotz allen wirtschaftlichen Problemen, ein Ort wo man sich wohlfühlt. Führende Personen  unserer alten Heimat Sanktmartin haben in dieser Richtung noch eine Menge zu lernen.

Bernhard Fackelmann                                                                              München, August 2013                                                                                                                                        

Im Auftrag der Kulturgemeinschaft „diesamatimer“