Dienstag, der 23. April 2019
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Russland Deportation, Januar 1945


Die Deportation der Deutschen aus Rumänien in die damalige UdSSR war der Tiefpunkt in der Geschichte der Banater Schwaben und Sanktmartiner im Laufe seiner dreihundertjährigen Geschichte. Am 12. Januar 2019 erinnert der Landesverband der Banater Schwaben in Bayern und der Kreisverband BS in München in einer Gedenkfeier an die Ereignisse jener Zeit. Die Gedenkfeier findet um 14.00 Uhr im Parkfriedhof Untermenzing an der Mühlangerstr. am Gedenkstein des Kreisverbandes statt. Fahnenabordnungen der Samatimer HOG, der vielen Banater Kreisvorstände, die Original Banater Dorfmusikanten, Pfarrer Peter Zillich mit vielen Landsleuten umrahmen die Gedenkfeier. Landesvorsitzender Peter-Dietmar Leber und Kreisvorsitzender Bernhard Fackelmann werden in Ihrer Rede an die Deportation erinnern. Nach der Gedenkfeier sind alle Landsleute im nahe liegendem Pfarrsaal zum Kaffee und Kuchen eingeladen.
Die Ereignisse vom Januar 1945:
Im Oktober 1944 erklärte die Regierung Maniu die Deutschen Rumäniens zu Schuldigen am Krieg und an den vielen rumänischen Opfern. Ihnen wurden die bürgerlichen Rechte entzogen und man erklärte sie für vogelfrei. Neue Schrecknisse kündigten sich an. Zwischen Oktober und November stellten die rumänischen Behörden Namenslisten aller arbeitsfähigen Deutschen zusammen. Gerüchte von einer Verschleppung nach Russland erhielten neue Nahrung, besonders als die ersten Güterzüge mit Deutschen aus Jugoslawien und Ungarn im Dezember durch Rumänien in Richtung Russland rollten. Anfang Januar versuchten Dr. Franz Kräuter und Hans Otto Roth bei Ministerpräsident Radescu die geplante Deportation zu verhindern oder wenigstens zu verschieben. Die machtlose rumänische Regierung konnte nichts tun und kam der sowjetischen Forderung nach, „Arbeitskräfte für den Wiederaufbau der Sowjetunion" zur Verfügung zu stellen. Schon am 31. Oktober 1944 überreichte der stellvertretende Vorsitzende der Alliierten Kontrollkommission General Winogradow der rumänischen Regierung eine Note mit der Forderung, bis zum 10. November Listen mit sich in Rumänien befindlichen ungarischen Staatsangehörigen, Bessarabien-Flüchtlingen, Reichsdeutschen und rumänischen Staatsangehörigen ethnisch deutscher und ungarischer Herkunft vorzulegen.
Das Ergebnis wurde Stalin am 15. Dezember vorgelegt, der am 16. Dezember 1944 den Befehl zur Zwangsverschleppung gab. In der Parteizeitung vom 16./17. Januar 1945 wurde vom Präsidialamt folgendes mitgeteilt: „Laut Verordnung des Hohen Sowjetischen Kommandements werden Arbeitskräfte organisiert und in die UdSSR geschickt, wo man sie braucht.

Betroffen sind folgende deutsche Bürger:
- Männer zwischen 16 und 45 Jahren
- Frauen zwischen 18 und 30 Jahren, ausgenommen sind Mütter mit Kindern unter einem Jahr
Nachdem die Deportierten ihren Bestimmungsort in der UdSSR erreicht haben, werden ihre Familien benachrichtigt und berechtigt, ihnen zu schreiben und Pakete zu schicken.

Deportation und Sklavenarbeit in Russland.

Schloss in Matscha in den die Deportierten eingesperrt wurden,

 

Von Kurtitsch nach Woroschilowgrad

Der Leidensweg der Verschleppten in die russische Deportation

Russlanddeportation (Ölbilder von Stefan Jäger).

Am 2. und 3. Januar 1945 wurden die Sathmarer Schwaben deportiert gefolgt von den Deutschen in Kronstadt und Bukarest am 10. und 11. Januar, am 12. und 13. Januar die restlichen Siebenbürger Sachsen. Die Banater Schwaben folgten zwischen dem 14. und 16. Januar.

In Sanktmartin und Matscha begann die „Einsammlung“ der deutschen Bewohner am Sonntag den 14. Januar, nach einem genau festgelegten Plan. Die Ortseingänge wurden vom rumänischen Militär und von der Gendarmerie abgeriegelt. Zivilpersonen und Soldaten gingen mit vorbereiteten Listen zur Aushebung von Haus zu Haus. Einige junge Sanktmartiner hatten sich im Hof und auf der Puszta versteckt, kamen aber zum Vorschein, weil man drohte, Eltern oder Verwandte als Ersatz zu verhaften. Bei vielen jungen Familien, wo der Mann im Krieg oder in Gefangenschaft war, mussten die Kinder den Großeltern oder fremden Familien überlassen werden. Die politische Haltung der Betroffenen spielte keine Rolle, denn es wurden auch Sanktmartiner und Matschamer Bürger deportiert, die in der rumänischen Armee gekämpft hatten und zu dem Zeitpunkt im Heimaturlaub waren. Jeder der einen deutschen Namen trug und in der Alterskategorie fiel, wurde rücksichtslos deportiert, ganz gleich, ob er Mitglied der „Deutschen Volksgruppe“ in Rumänien war oder nicht, (dadurch wurden auch Ungarn aus Dorobanz mit deutschen Namen deportiert) politisch engagiert oder neutral, ob ehemaliger illegaler Kommunist oder Sozialdemograt. Reich oder arm, Fabrikanten, Kaufleute, Ärzte, Ingenieure, Lehrer, Bauern und Tagelöhner, Arbeiter Mädchen und Mütter. Sie alle fanden sich eingepfercht in Schulgebäuden und Gemeindesälen wieder, unter dem einzigen Bindeglied: der deutsche Familienname.
Zuerst brachte man die festgenommenen Sanktmartiner für zwei Tage in der Schule unter. Ihre Angehörigen brachten ihnen warme Kleidung, Decken und Verpflegung. Danach wurden sie im Kastell von Matscha eingesperrt, wo sich bereits die Deutschen aus Matscha befanden. Am 17. Januar ging der Abtransport los. Es war ein eisig kalter Wintertag und der Schnee war knöcheltief. Unter strenger Bewachung wurden je 10 Personen auf requirierten Wagen geladen, bewacht von einem rumänischen Soldaten. Hunderte von zurückgebliebenen Eltern und viele Kinder winkten ihnen nach, für viele war es ein Abschied für immer.
Dieses dramatische Geschehen wurde auch von vielen Rumänen aus Matscha beobachtet, manche ließen sich zu Ausrufen wie: „Ducetii pe toti in Rusia“ (Schafft sie alle nach Russland!) hinreißen. Es waren Menschen, mit denen man in Matscha lange Zeit eine gute Nachbarschaft gepflegt hatte. Die Vernünftigen, die die Deportation nicht richtig fanden, waren in der Minderheit. Trotzdem gab es einige die leise den Vorgang der Behörden kritisierten, wurden aber von der Mehrheit überschriehen. Langsam zog die Kolonne der Deportierten in Richtung Kurtitsch. Kinder, die nicht verstehen konnten, was geschah, liefen einige Zeit weinend und nach der Mutter schreiend den Wagen nach, bis sie ermüdeten und im hohen Schnee stecken blieben. Im völlig abgeriegelten Bahnhof von Kurtitsch wurden die Verschleppten zu je 30 Personen mit Gepäck in Viehwaggons verladen. Danach ging es über Arad in Richtung Osten.

 

 

Eingepfercht in Viehwaggons, bei bitterer Kälte über minus 20 Grad, begann der Leidensweg der Deportierten. Im Waggon gab es nur einen kleinen Holzofen, der nicht genügend Wärme spendete, in einer Ecke befand sich ein Loch für die Notdurft. Die Ungewissheit und der Gedanke an die zurückgebliebenen Kinder brachte schon nach wenigen Tagen so manche junge Frau zur Verzweiflung. Doch auch zu Hause bestimmten Trauer und Hoffnungslosigkeit das Leben. Im Dorf gab es plötzlich nur noch Alte und Kinder. Ohnmächtig und rechtlos waren sie der Willkür der Kolonisten ausgeliefert, und diese, von ihrer Macht berauscht, schreckten vor Plünderungen und Bedrohungen nicht zurück. Die deportierten Sanktmartiner kamen am 2. Februar 1945 im tief verschneiten Donezbeckens an. Hier wurden sie in Smacowa, Stalino und Woroschilowgrad andere westlich des Dnjepers in Kriwoi-Rog und Dnjepropetrosk abgeladen. Am Anfang waren sie in Zeltlagern untergebracht und mussten zuerst die zerstörten Baracken aufbauen. Das mitgebrachte Essen war bald verzehrt und der Hunger stellte sich als ständiger Gast ein. Die meisten der Deportierten kamen in die Lager des Donezbeckens um Stalino und Woroschilowgrad, andere blieben westlich des Dnjepers in Kriwoi-Rog und Dnjepropetrowsk. Weiter in Bergwerkslager des Urals.
Tausende wurden in Baracken untergebracht die sie zuerst aufbauen mussten. Die ungewohnte und harte Arbeit in den Kohlegruben, der Normzwang, schwere Wald- und Erdarbeiten in Verbindung mit schlechter und unzureichender Kost, Arbeitsunfälle, Krankheiten und körperliche Auszehrung forderten bald ihre ersten Opfern die von Monat zu Monat sich steigerten. Zu den körperlichen Belastungen gesellten sich die seelischen Nöten; Trennung von den Kindern, Familie, Abriegelung von der Außenwelt, keine Informationen von zuhause.

Völlig überraschend aber kehrten die ersten Sanktmartiner im Herbst 1945 zurück. Die Rückkehrer waren jedoch nur noch Schatten derer, die vor neun Monaten ihrer Heimat entrissen worden waren. Sie waren todkrank, erschöpft und am Ende ihrer Kräfte. Sie waren zum Sterben in die Heimat entlassen worden. Einige hatten unterwegs schon den Tod gefunden. Die Heimkehrer überbrachten Nachrichten von den anderen Verschleppten, berichteten über die schwere Arbeit im Lager, über die schlechte Unterbringung und Ernährung, über das Leid in der Gefangenschaft. Ende 1946 wurden dann die Krankentransporte nicht mehr zurück nach Rumänien sondern in die sowjetisch besetzte Zone Deutschlands. Für viele wurde so die Rückkehr in die Heimat erschwert oder gar unmöglich gemacht. Nicht selten dauerte es Jahrzehnte, bis Mütter ihre Kinder wiedersehen konnten, und die Familien zusammenfanden. Der Aufenthalt in Ostdeutschland der aus der Deportation Entlassenen ermöglichte die Genesung der Kranken, so dass diese in der Lage waren, den Weg nach Hause anzutreten oder die SBZ in Richtung Westen zu verlassen. Für alle, die sich auf den Weg nach Hause machten, gab es große Schwierigkeiten zu überwinden, zumal Ungarn die Grenze zu Rumänien abgeriegelt hatte. Die große Masse der Sanktmartiner Deportierten wurden 1949 frei und von Russland nach Rumänien entlassen. In der Deportation starben 15 Prozent der Verschleppten, dass waren 11.000 Banater, darunter 77 Sanktmartiner und 29 Matschamer. Nach der Rückkehr in die Heimat waren die Deportierten mit einer Menge von Problemen konfrontiert. Sie waren ihres Besitzes beraubt, und die Wohnhäuser zum Teil von Kolonisten besetzt.

 

Gedenkfeier 2015 in München

 Ansprache des Kreisvorsizender der Banater Schwaben Bernhard Fackelmann bei

der Gedekveranstaltung 70 Jahre Russlanddeportation in München

70 Jahre Russlanddeportation
Gedenkveranstaltung vom 24. Januar 2015 in München

Sanktmartiner Fahnenabordnung bei der Gedenkfeier

 

 Bernhard Fackelmann
Vorsitzender der Samatimer HOG.

Bilder zur Gedenkfeier Russlanddeportation am 12.Januar
2019 in München die zweck Wetterbedingung im Kirchsaal der St.Martin Kirche
in München /Untermenzing statt fand.