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Sanktmartiner-Weinarbeit, Weinlese, Wein und Traubenball

Dass unsere Vorfahren aus Unterfranken im bayerischen Weinbaugebiet kamen ist allen bekannt.
Das Weinbaugebiet Franken, erstreckt sich von Bamberg im Osten bis Aschaffenburg im Westen auf rund 6.000 Hektar Rebflächen. Die Reben stehen vorwiegend auf geschützten Lagen entlang des Mains und an den Hängen des Steigerwalds. Dass die Einwanderer 1724 Reben mitbrachten, entspricht ihrer Kultur und Mentalität. Die ältesten Nachweise auf Weinbau in Franken stammen aus dem  8.Jahrhundert. Der Sage nach beginnt der geregelte Weinbau mit der Gründung der Benediktinerinnenklöster in Kleinochsenfurt und Kitzingen (von wo auch viele unserer Ahnen abstammen). Kaum eine andere Weinflasche der Welt dürfte wohl so direkt und unmittelbar mit einer Weinregion in Verbindung gebracht werden wie Franken und sein Bocksbeutel. Die Flaschenform ist gleichzeitig wohl die merkwürdigste und sonderbarste Weinflasche auf der ganzen Welt. Keine andere Flasche polarisiert in Verbraucherkreisen mehr, ruft ungläubiges Erstaunen hervor und wird doch andererseits belächelt. Sie wird von Weinkennern hoch geschätzt für trockene und ehrliche Frankenweine und wiederum auch vielfach nicht so richtig ernst genommen. Noch in unserer Zeit nach dem zweiten Weltkrieg standen alte Rebstöcke jener Zeit und deren Nachsprößlinge, Silvaner, Traminer, Muskateller und Blaufränkische in den Sanktmartiner Weingärten. Dass die Reben aus Franken mitgebracht wurden bezeugt nicht nur der historische Hintergrund sondern auch dass alle unsere rumänischen und ungarischen Nachbargemeinden nie Weingärten besaßen. Erst im Laufe der nächsten Jahrhunderte lernten sie von uns den Weinbau. Das gleiche gilt für diverse Genüsse die jene Vorfahren aus der Bamberger Gegend mit ihren vielseitigen Gemüsesorten mitbrachten.

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In der Landkarte der Sanktmartiner Fluren von 1836 waren die Weingärten ein fester Bestand von Sanktmartin (links unten).

Die Bodenbeschaffenheit im Weinbau ist eines der wichtigsten Elemente des sogenannten Terroirs. Die geologische Struktur, der Nährstoffgehalt und das Wasserhaltevermögen beeinflussen das Wurzelwachstum der Reben und prägen maßgeblich den Charakter und die Mineralität des Weins. Lange mussten unsere Vorfahren suchen bis Sie über zwei Kilometer außerhalb vom Ort den passenden Boden fanden. Hier gab es lockere, gut durchlässige Böden mit einem geringen Anteil an Sand. In solchen Böden fällt es der Rebe leicht, ihre Wurzeln vertikal und horizontal zu verzweigen. Eine gute Drainage und Durchlüftung sind bei dieser Art von Boden ebenfalls von Vorteil. Im Allgemeinen sollten potenzielle Weinbauer Böden mit einem Tongehalt von über 25% vermeiden und das war hier der Fall. Heutzutage bietet die moderne Technologie die Möglichkeit, die Bodeneigenschaften mit Hilfe von chemischen Bodenanalysen sowie GPS- und GIS-Systemen zu untersuchen. Unsere Vorfahren verliessen sich ganz auf jahrhundertalte Erfahrung und auf ihren Fleiß. Die Arbeit begann schon früh im März, mit der grundlegenden Bodenvorbereitung, pflügen und ausgraben der im Herbst mit Erde zugedeckten Reben, die so vor Frost geschützt wurden. Danach entfernen die Bauern viele Wochen vor der Anpflanzung der Reben alle Rückstände der Vorfrucht und des Unkrauts. Dieses Verfahren soll die Belüftung und Drainage des Bodens verbessern. Gleichzeitig werden durch das Pflügen rückständige Wurzeln und andere unerwünschte Materialien aus dem Boden entfernt. Allerdings kann das Pflügen auch unangenehme Folgen haben, vor allem bei abschüssigen Flächen. Wenn man auf solchen Weinbergen zu tief pflügt, wird möglicherweise Erosion hervorgerufen. Außerdem können durch starkes Pflügen ungeeignete Bestandteile des Unterbodens an die Oberfläche gelangen. Ein entscheidender Schritt bei der Vorbereitung des Bodens für den Traubenanbau ist die Gestaltung des abschüssigen Geländes. Gleichzeitig wird auch Kuhmist als Dünger untergebracht. Keine Traktoren oder Vollernter. Pferde und Holzpflug, ab 1780 ein eiserner Pflug, erleichterten die Arbeit. Diese war körperliche Schwerstarbeit. Rebstöcke wurden einzeln von Hand gepflegt und geschnitten. Erleichternd war nur die “Vesper“ am Mittag wo man beim Feuer alter Rebnstöcke seinen Speck im Spieß gebraten hat. Es war für uns Kinder der schönste Moment am Arbeitstag im Weingarten.

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Speck im Spieß „Vesper“ und ..

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Reben schneiden im Frühling im Weingarten.

Das Ausgeizen, also das Entfernen von Geiztrieben, ist eine wichtige Technik im Weinbau, um das Wachstum und die Fruchtqualität zu optimieren. Die beste Zeit, um Weinreben auszuputzen, ist vom Frühsommer bis in den Hochsommer, genauer gesagt von Mitte Juni bis Anfang September. In dieser Phase bilden die Pflanzen aktiv neue Triebe, daher ist ein Eingreifen erforderlich, um die Energie auf die wesentlichen Wachstumsbereiche zu lenken. Geiztriebe sind spezielle Seitentriebe mit einer charakteristischen Position und Funktion in der Pflanzenphysiologie, insbesondere bei Weinreben. Ihre Identifizierung ist für das Ausgeizen von entscheidender Bedeutung.

Hier sind einige Merkmale, die Ihnen helfen, Geiztriebe von anderen Trieben zu unterscheiden:

Frühes Stadium:
Junge Geiztriebe, die noch klein sind (wenige Zentimeter lang), sollten vorsichtig mit dem Zeigefingernagel und dem Daumen an der Basis abgeklemmt und abgezogen werden.

Mittleres Stadium:
Etwas größere Geiztriebe (10 bis 20 cm) können sorgfältig seitlich abgerissen werden.

Fortgeschrittenes Stadium:
Größere, bereits verholzte Geiztriebe müssen mit einer scharfen Schere nahe der Basis abgeschnitten werden.

Das Spritzen von Reben ist im Weinbau eine der wichtigsten Arbeiten, um die Traubenernte vor dem Totalausfall zu schützen. Da Weinberge Monokulturen sind, breiten sich Pilzkrankheiten und Schädlinge ohne Schutz extrem schnell aus. Der Weinbau erlebte zu Beginn des 19. Jahrhunderts, in Folge der Reblaus, insbesondere im Schweinfurter Raum, einen großen Niedergang. Klimatisch weniger begünstigte Lagen gab man vollständig auf. Das wussten schon unsere Vorfahren und spritzten die Reben vor rund 100 Jahren hauptsächlich mit Kupferverbindungen (Bordeauxbrühe), Schwefel sowie hochgiftigen Arsen- und Nikotinpräparaten. Nach dem zweiten Weltkrieg mit Blaustein (Kalitzel). Mit der Spritzpumpe auf dem Rücken und mit ständigem Pumpen bespritzte so mancher Sanktmartiner „Winzer“ mehrere Male im Sommer seinen Weingarten. Eine Spritzpumpe war ein historisches Werkzeug, das Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts im Weinbau zur Bekämpfung der Reblaus eingesetzt wurde.

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Reben spritzen, Spritzpumpe.

In der Regel startet die Weinlese, wenn sich der Sommer verabschiedet und die Tage kürzer werden. Dann haben die ersten Trauben den gewünschten Reifegrad erreicht. Bei weißen Sorten beginnt dies, wenn sie ihre Farbe von grün zu gelb, bei roten Sorten von grün zu rot-violett ändern. In dieser Phase kommt es zu einem Anstieg des Zuckers und einem Rückgang der Säure in den Früchten. Geerntet wird dann, wenn der ideale Zucker- und Säureanteil für den gewünschten Wein erreicht ist. Die Weinlese früher war vor allem eines: reine, harte Handarbeit und ein tief im Dorfleben verankertes Gemeinschaftsereignis.

Bei der Gründung der Sanktmartiner Weingärten 1724 bekam jeder Siedler 1,5 Metzen Weinbauflächen das waren über 200 Hektar. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es in Sanktmartin152 Hektar Weingartenfläche davon waren nur 62 Hektar mit Weinreben bepflanzt. Nachdem der Gostat 1945-1956 in den Weingärten arbeitete blieben wahrscheinlich nur mehr 2/3 der Vorkriegsflächen übrig. Früher half die gesamte Verwandtschaft, die Nachbarschaft und oft sogar das ganze Dorf mit. Schulen machten teilweise „Herbstferien“, damit die Kinder im Weinberg helfen konnten. Traubenlesen begann in Sanktmartin bei allen „Winzern“ am gleichen Tag. Schon Wochen früher säuberte man alle Fässer und Bottiche. Man räucherte die Fässer mit Schwefel aus, um den Wein vor Sauerstoff und Bakterien zu schützen. Die Weinfässer wurden in speziellen Kammern über offenem Feuer erhitzt. Das stoppte die Gärung frühzeitig, machte den Wein haltbarer. Am Vorabend belud man die Pferdewagen mit offenen Fässern, in denen die geernteten Trauben geschüttet wurden. In aller Hergotts Früh machte man sich auf dem Weg, denn die Weingärten waren Weit weg vom Ort. Vor jedem Weingarten standen die Wägen mit Fässern, die nur darauf warteten gefüllt zu werden. Es gab eine klassische Arbeitsteilung: Frauen und Kinder schnitten die Trauben mit einfachen Messern oder Scheren ab, während die Männer als sogenannte „Buttenträger“ die schweren, hölzernen oder geflochtenen Körbe (Butten) vollgepackt mit Trauben den langen Weg zum Hauptfass trugen. Eile war nötig, denn beim ersten vollen Fass erschallte ein Gewehrschuss der ankündigte dass das erste Fass voll ist. Und so füllte sich Bottich um Bottich, Fass um Fass. Die schönen und großbeerigen Trauben wurden, von der Bäuerin extra in Weidenkörbe so genannte „Kirwli“ gelegt und für Kompott oder zum späteren Naschen benutzt. Der Bauer stampfte mit voller Kraft die Trauben in die Fässer damit ja viele Butten hineinpassten. 

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Sanktmartiner „Winzerinnen“ und leichtes Ackern.

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Das Mittagessen war gebratenes Fleisch von Gestern, Kuhkäse, Eier, Brot, Paprika und Paradeis. Zum Speck im Spies wie zur Zeit der Weingartenarbeit im Frühling und Sommer hatte man jetzt keine Zeit. Die Weinlese hatte Vorrang. Die Arbeit eines ganzen Jahres zeigte sich an einem einzigen Tag.

Trotz der extremen körperlichen Anstrengung war die Lese eine fröhliche Zeit. Im Weinberg wurde gesungen, man erzählte sich Geschichten und das gemeinsame, kalte Essen im Freien war ein Höhepunkt des Tages. Später wurde mit dem „Bremser“ oder „Federweißer“ (dem süßen, gärenden Traubenmost) angestoßen. Am späten Nachmittag war die Ernte vorbei. Jede einzelne Traube war abgeschnitten, in Fässern und Körbe aufbewahrt und man trat die Heimreise an. Schwer zogen die Pferde die Last, den weiten Weg bis nach Hause. Hier begann dann das Können und Wissen jedes einzelnen um den Wein zu keltern. In den Kellern kamen monumentale Holzkeltern zum Einsatz, die mit Hebelbalken und Seilwinden bedient wurden – ein enormer Kraftakt. im Gegensatz zu den heutigen, computergesteuerten Luftkissenpressen. Früher in der Alten Heimat wurde Wein vor allem mit den bloßen Füßen gestampft und anschließend in massiven Holzpressen (Keltern) ausgepresst, bevor er in Holzfässern mithilfe natürlicher Hefen spontan vergärte. Das Wort „Kelter“ leitet sich historisch vom lateinischen calcare ab, was so viel wie „mit den Füßen zertreten“ bedeutet. Diese Methode war erstaunlich effektiv und schonend: Die Füße zerquetschten zwar das Fruchtfleisch, beschädigten aber selten die bitteren Traubenkerne, was den Geschmack des Mosts schützte. Später wurden für diese Arbeit spezielle „Kelterstiefel“ genutzt. Deshalb waren Kinder jene die die Beeren mit ihren kleinen Füßen zermanschten. Der gewonnene Saft wurde früher ohne den Zusatz von Reinzuchthefen gelagert. Die Gärung startete rein spontan durch die natürlichen Hefen, die sich bereits auf den Traubenschalen befanden.

 Die gelesenenTrauben werden Nachhause gefahren.

 Wasser Brunnen A

Wasser Waagen A

 

Weinlese und keltern.

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Abfüllen und Schwefelstangen

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Weinlese, Weinkosten und Traubenball in den Orten unserer Ahnen in Unterfranken.

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Der Bus mit Sanktmartiner kommt an.

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Spaziergang durch die Weingärten des Winzers Braun.

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Weinkosten und Vesper.

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Der Vorstand der Samatimer HOG
mit Bürgermeister T. Wozniak und Stadträtin H. Hippeli.

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Die Sanktmartiner beim Traubenball.

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…und los gets zum Tanz.

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Bernhard Fackelmann

Vorsitzender der Samatimer HOG